ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Tamsulosin: Selektive Wirkung auf Adrenozeptoren

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Tamsulosin: Selektive Wirkung auf Adrenozeptoren

Glöser, Sabine

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LNSLNS Der Wirkstoff Tamsulosin, ein a1A-Adreno-Rezeptorenblocker, zeichnet sich gegenüber den bisher in Deutschland therapeutisch eingesetzten Rezeptoren-blockern durch seine selektive Wirksamkeit aus: Tamsulosin habe gegenüber den a1A-Adrenozeptoren der Prostata eine höhere Affinität als alle anderen klinisch eingesetzten a1-Blocker, erklärte Dr. Martin Christian Michel (Universitätsklinikum Essen) in Hockenheim.
Der erhöhte Harnwegswiderstand bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) setzt sich aus einer statischen und einer dynamischen Komponente zusammen. Die Behandlung mit a1-Adrenozeptorantagonisten ist die einzige Therapieform, die an der dynamischen Komponente angreift: Die Rezeptorenblocker setzen den Tonus der glatten Prostatamuskulatur herab, durch deren Kontraktion die Harnröhre akut eingeengt wird.


Verschiedene Subtypen
Durch molekularbiologische Klonierungstechniken konnten drei verschiedene Subtypen des a1-Adrenozeptors identifiziert werden. Diese werden seit 1995 nach der neuen IUPHAR-Nomenklatur als a1A-, a1B- und a1DRezeptoren bezeichnet. In der Prostata herrscht der a1A-Subtyp vor. Deutliche Vorteile gegenüber seinen Vorläufer-substanzen habe Tamsulosin zudem durch eine "sanftere Pharmakokinetik", so Michel. Die Anflutungsgeschwindigkeit (T max = 5 bis 6 h) sei deutlich langsamer als die anderer a1-Blocker. Daher sei eine Titrierphase zu Beginn der Behandlung nicht notwendig. Aufgrund der langen Halbwertszeit (10 bis 12 h) genüge eine einmalige tägliche Gabe von Tamsulosin. Durch die hohe Affinität und Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes sei eine Tagesdosis von 0,4 mg ausreichend.
Erste konkrete Ergebnisse klinischer Untersuchungen zur Wirksamkeit von Tamsulosin stellte Dr. Gerald Haupt (Urologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum) vor: Im Vergleich zu einem in der Wirksamkeit anerkannten a1-Blocker habe Tamsulosin zu deutlichen Therapievorteilen geführt. Signifikante Verbesserungen seien hinsichtlich des aussagefähigsten Parameters, der Relation von Miktionsdruck und Harnfluß, nachgewiesen worden.
Ferner bestätigten Untersuchungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr den positiven Einfluß von Tamsulosin auf die BPH-Symptomatik, die sich bereits in den ersten Wochen signifikant verbessert habe. Ab der zwölften Woche sei die Wirkung über die gesamte Studiendauer von 60 Wochen konstant geblieben. Haupt folgerte, daß die Wirksamkeit von Tamsulosin anhand objektiver und subjektiver Parameter über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr nachgewiesen sei. Der therapeutische Effekt liege dabei in der Größenordnung anderer a1-Blocker.
Den Vorteil der selektiven Wirksamkeit von Tamsulosin sieht Haupt in der Verminderung systemischer, normalerweise typischer a1-Blocker-Nebenwirkungen. Im Vergleich zu Plazebo seien hinsichtlich derartiger Begleit-erscheinungen, wie Schwindel, Hypotension, Müdigkeit oder Kopfschmerzen, in klinischen Untersuchungen keine signifikanten Unterschiede nachgewiesen worden. Tamsulosin (Alna(r), Boehringer Ingelheim) wurde im August dieses Jahres in Deutschland eingeführt. Dr. Sabine Glöser

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