VARIA: Schlusspunkt

Schach mit Musik

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): [88]

Pfleger, Helmut

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LNSLNS Vor vielen Jahren fragte mich Josef Maus, der stellvertretende Chefredakteur des Deutschen Ärzteblattes, wie es die Ärzte mit dem Schachspiel hielten. Meine Antwort war zurückhaltend-skeptisch – eher gäbe es eine Beziehung zur Musik, von der die Ärzteorchester künden. Ich hatte wohl zu viele Bedenken, diese vorsichtige Annäherung war jedenfalls die Geburtsstunde der Deutschen Ärzteschachturniere, die im nächsten Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum feiern.
Bekannt ist beispielsweise, dass Sergei Prokofjew und David Oistrach gute Schachspieler waren und sogar in Moskau einen öffentlichen Wettkampf austrugen, den ersterer mit 3 : 2 gewann. Oistrach mischte sich oft und gerne unters (Elite-)Schachvolk, doch als der damalige Weltmeister Botwinnik meinte, die Kunst des Schachspiels stünde der Musik nicht nach, kam es zu einer Verstimmung zwischen den beiden. Bei aller Liebe zum Schach, aber das war doch Blasphemie.
Eine hübsche Episode berichtete mir der holländische WM-Schiedsrichter Geurt Gijssen. Beim WM-Kampf Karpow – Kasparow 1987 in Sevilla übermittelte Karpows Sekundant, der ungarische Großmeister Lajos Portisch, auch ein vorzüglicher Sänger, telefonisch eine Remisofferte in der Hängepartie. So weit, so gut – doch wie absolut sicher sein, dass Portisch wirklich Portisch war?! Und so bat er ihn, am Telefon eine seiner Lieblingsarien zu singen. Das geschah, das Remisangebot hatte also Hand und Musik und konnte unbesorgt an Kasparow weitergeleitet werden. Diesmal ohne Gesang.
Dr. med. Timm Ludwig, Chefarzt der Anästhesie in Bad Bevensen, hält seit Jahren Dia-Vorträge mit Musikbeispielen über berühmte Komponisten, wobei er deren Vita im medizinischen und psychosozialen Kontext fesselnd lebendig werden lässt. Und er ist ein Mann der ersten Stunde bei den Ärzteturnieren, der wie viele andere mit Bogoljubow ausrufen kann: „Schach ist ein seltsames Spiel – manchmal geht’s, und manchmal geht’s nicht!“ Heute ein „Geh-Beispiel“ vom letzten Turnier, das er selbst launig als „Opas Bestrafung“ titulierte. Der „Jüngling“ Dr. med. Markus Memmler hatte zweimal Remis abgelehnt, was angesichts der haarsträubenden Zeitnot Dr. Ludwigs (nicht denken, nur ziehen, Timm!) durchaus eine gewisse Berechtigung hatte. Aber sehen Sie, wie Opa als Weißer diese Unbotmäßigkeit gegenüber dem Alter mit einem herrlichen Zug, wonach die scheinbar festgefügte schwarze Verteidigungsphalanx bedenkliche Risse zeigte, und einem Finale furioso bestrafte?

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