ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Bereitschaftsdienst: Bezahlung wie in der Industrie - 150 % Lohn

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Bereitschaftsdienst: Bezahlung wie in der Industrie - 150 % Lohn

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2422 / B-2091 / C-1942

Joos, Andreas K.

Zu dem Beitrag „Das große Schweigen“ von Jens Flintrop in Heft 27/2001:
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LNSLNS Sehr schön, dass es in den Kliniken von Herrn Dr. Kramer „im Regelfall“ keine Probleme mit dem Arbeitszeitgesetz gibt. Die dortigen Kollegen wissen ja gar nicht, wie gut es ihnen geht, werden doch ihnen zuliebe 18 ärztliche Planstellen geschaffen, für wie viele Millionen Mark pro Jahr? Warum brüstet sich Dr. Kramer so mit der Umsetzung eines Gesetzes? Diese so außergewöhnlich geschilderte Leistung ist doch nichts, was den Kollegen nicht zustehen würde. Wie angesehen die Ableistung von Nacht- und Wochenenddiensten ist, zeigt Dr. Kramer im Schlussplädoyer. Er fordert bei Umsetzung des Urteils des EuGH die volle Arbeitszeit ein, wenn er (er?) sie auch bezahlen muss. Lieber Herr Dr. Kramer, was denken Sie denn, was Ärzte während ihres Bereitschaftsdienstes tun? Die Füße hochlegen, mit Schwestern flirten? Von jemandem, der wahrscheinlich noch nie über 24 Stunden gearbeitet hat, finde ich es mehr als unverschämt, unterschwellig zu unterstellen, dass Ärzte im Dienst nichts Wesentliches leisten und womöglich noch froh sein müssen, Geld dafür zu bekommen. So werden unsere Dienst-Leistungen und die unzähligen unbezahlten Überstunden (die es an Dr. Kramers Klinik ja wahrscheinlich nicht gibt) von einem Verwaltungsdirektor gewürdigt.
Wenn der ärztliche Bereitschaftsdienst wie Arbeitszeit gehandelt wird, dann werden wir entsprechend arbeiten (wie teilweise schon die ganze Zeit) und wollen dann entsprechend bezahlt werden, nämlich mit 150 Prozent Lohn pro Stunde, wie in der Industrie üblich. Und wenn das EuGH-Urteil auch in Deutschland geltendes Recht wird, dann hoffe ich für Dr. Kramer, dass seine Dienstplangestaltung und Personalausstattung so gut ist, wie er anfangs erläutert, denn er wird dann schon etwas anderes bieten müssen als Arroganz und Ignoranz gegenüber dem ärztlichen Bereitschaftsdienst, um noch Ärzte für seine unbesetzten Stellen zu bekommen. Aber darüber kann er sich ja nachts und am Wochenende, wenn Ärzte arbeiten, in Ruhe Gedanken machen.
Dr. med. Andreas K. Joos, M 7, 3–8, 68161 Mannheim
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