ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Psychoanalyse: Glaubenslehre auf brüchigem Fundament

BRIEFE

Psychoanalyse: Glaubenslehre auf brüchigem Fundament

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2422 / B-2091 / C-1942

Wiedmayer, Joachim

Zu dem Beitrag „Schwierige Evaluation“ von Petra Bühring in Heft 30/2001:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Auch auf die Gefahr hin, dass die „psycho-community“ wieder „Trauerarbeit“ leisten muss: Psychoanalyse wie auch deren kleine Schwester, die Psychotherapie, sind, darüber kann auch das durch Brille, Bart und Zigarre unterstützte Durchblickergebaren ihres Erfinders Freud nicht hinwegtäuschen, Glaubenslehren, gegründet auf allzu brüchigem Fundament.
Der Spuk wäre schon längst in der akademischen Mottenkiste gelandet, gelänge es nicht, deren in mannigfachen Zirkeln organisierten „Hohenpriester“ in froher Seilschaft mit einschlägigen Medien einer werteentleerten und deshalb nach Religionsersatz psychologischer Art verlangenden Angestelltengesellschaft ihren Seelenfirlefanz als tiefe, hilfreiche Erkenntnis zu verkaufen, bemerkenswerterweise, dank Horst-Eberhardts rastlosem Wirken, in Deutschland mehr als sonstwo auf der Welt.
Das erbsenzählerische Brimborium des vorgenannten Artikels entlässt den geneigten Leser deshalb ratlos, weil es hinsichtlich der Beurteilung des Nutzens Psychoanalyse–Psychotherapie nichts zu „evaluieren“ gibt, handelt es sich doch um das milde Miteinander zweier Glaubenslehren. Genauso gut könnte man die evangelische gegen die katholische Kirche „evaluieren“ im Bezug auf was immer. Gespräche mit gesundem Menschenverstand geführt (ich weiß, die „psycho-community“ heult hier „hinterfragend“ auf) und von gegenseitiger Sympathie getragen, sind in seelischer Not oft hilfreich, wer wüsste das nicht. Darin liegt der ganze „Therapie“-Erfolg. Der Anspruch jedweder „Therapie“-Verfahren – natürlich nur in unzähligen, teuren Psychoseminaren schwer zu erwerben –, kraft höherer Einsichten und besserer Methoden etwas darüber hinaus zu bewirken, ist meiner Meinung nach – professionell gütiges Birkenstockgehabe oder berufsmäßig grämliche Sorgenfalten hin oder her – gleichermaßen naiv wie lächerlich anmaßend.
Dr. med. Joachim Wiedmayer, Bahnhofsplatz 6, 91054 Erlangen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema