ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Impfen: Es gibt ein riesiges Einsparpotenzial

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Impfen: Es gibt ein riesiges Einsparpotenzial

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2423 / B-2092 / C-1943

Pries, Joachim

Zu dem Leserbrief „Antwort des Paul-Ehrlich-Instituts“ von Dr. Susanne Stöcker in Heft 25/2001:
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LNSLNS Nicht einmal der Unterzeichner bezweifelt ernsthaft die Tatsache, dass die viermalige Applikation eines Impfantigens gegenüber der dreimaligen den Vorteil der höhertitrigen Immunantwort hat. Dabei ist die Verträglichkeit noch nicht einmal viel schlechter, sieht man von der Tatsache ab, dass mit dem Sechsfachimpfstoff häufiger drittgradige Temperaturerhöhungen provoziert werden. Allerdings ist hochwahrscheinlich dieser Impftiter nur ein unzureichendes Surrogatkriterium für die Beurteilung der Abwehrlage eines Organismus – siehe Erfahrungen aus Finnland. Hier wurde bei Pertussis ein guter klinischer Effekt trotz niedriger Impftiter festgestellt. Leider haben wir zurzeit keinen anderen serologisch messbaren Parameter. Insbesondere auch vor diesem Hintergrund der durchaus noch unklaren Aussagekraft der Messergebnisse lediglich der Serokonversion halte ich es eben für keineswegs „selbstverständlich“ – wie Sie es formulieren –, dass sich der neue Sechsfachimpfstoff mit der Hepatitis-B-Komponente dem etablierten Schema unterzuordnen hätte. Bemerkenswerterweise geben Sie ja obendrein zu, dass die antigene Potenz der Einzelkomponenten derjenigen in der Kombination nicht unbedingt gleichzusetzen ist – hier ist an die Abschwächung der Hib-Komponente beim Zusammenbringen mit azellulärem Pertussis-Antigen zu erinnern – wie steht es denn hier bei dem nochmalig erweiterten Impfcocktail mit den wechselseitigen Beeinflussungen beziehungsweise möglichen Wirksamkeitseinschränkungen?
Ich bleibe also im Kern bei meiner geäußerten Kritik, und – verzeihen Sie – für wie dusselig halten Sie uns, diese die Impfschemata umsetzenden Ärzte, eigentlich, dass Sie uns offenbar nicht zutrauen, ein so simples Impfschema wie zum Beispiel drei Mal Hexa- und ein Mal Pentavac (respektive drei Mal Hexavac und ein Mal az.Pertussis) zu applizieren und selbstverständlich auf gar keinen Fall die von Ihnen vorgeschlagene Alternative: vier Mal Penta und drei Mal Hepatitis in den anderen Oberschenkel?
Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich hier keine Diskussion um die „Impffrage“ führen möchte, so notwendig es in einigen Aspekten möglicherweise wäre. Es geht mir hier tatsächlich um die Kostenfrage – und wovon wir reden, ist immerhin ein Einsparpotenzial von circa 16 000 000 DM lediglich in Deutschland in einem Jahr, gehen wir von einer Geburtenrate von 9,2 pro 1 000 Einwohnern pro Jahr und einer Preisdifferenz von etwa 25 DM zwischen diesen beiden Impfstoffen pro Dosis aus; für dieses Geld sollte es sinnvollere Einsatzmöglichkeiten geben.
Dr. med. Joachim Pries, Flechtdorfer Straße 3a, 34497 Korbach
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