BÜCHER

Sexualmedizin

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2426 / B-2093 / C-1944

Hartmann, Uwe; Beier, Klaus M.; Bosinski, Hartmut A. G.; Loewit, Kurt

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LNSLNS Sexualmedizin
Hoher Praxisbezug
Klaus M. Beier, Hartmut A. G. Bosinski, Uwe Hartmann, Kurt Loewit: Sexualmedizin. Grundlagen und Praxis. Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2001, XI, 574 Seiten, 73 Abbildungen, 37 Tabellen, 59 Übersichten, gebunden, 148 DM
Die Sexualmedizin hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dies liegt nicht nur daran, dass die Aufmerksamkeit für sexuelle Störungen in vielen klinischen Fächern der Medizin – insbesondere mit Blick auf krankheits- und/oder substanzbedingte Sexualstörungen – stark gestiegen ist, sondern auch dass die Bevölkerung sexualmedizinische Versorgungsleistungen vermehrt nachfragt und dass früher eher seltene Störungsbilder wie die Geschlechtsidentitätsstörungen deutlich zugenommen haben.
Der Zeitpunkt für das Erscheinen des Lehrbuchs der Sexualmedizin ist daher gut gewählt. Die Erörterung der Grundlagen des Faches bildet die erforderliche Basis, um jene besonderen therapeutischen Strategien zu verstehen, die durch die Betonung der Paardimension imponieren. In der Medizin ist der Blick auf das Individuum meistens so hervorgehoben, dass er den Zugang zum Paar erschwert. Beratung und Behandlung von Paaren ist für die Medizin im Allgemeinen ungewohnt. Ihre konsequente Nutzung gehört bisher nur in der Psychosomatik und Psychotherapie zum medizinischen Standard.
Das Buch erfreut durch den hohen Praxisbezug, das regelrechte „Durchbuchstabieren“ von Beratungs- und Behandlungssituationen einschließlich der Publikation von Praxisleitlinien zur Diagnostik und Therapie sexueller Störungen. Die Sexualmedizin als ein Fach der Zukunft ist mit diesem Werk prägnant beschrieben. Dies wird besonders deutlich in den Darstellungen der Befundlage zur somatosexuellen Differenzierung, der Entwicklung der sexuellen Orientierung, der Entwicklung der Geschlechtsidentität bis hin zur Erläuterung der Differenzialdiagnostik der Geschlechtsidentitätsstörungen und der verfügbaren therapeutischen Strategien.
Das Lehrbuch besticht aber genauso durch die fundierte Analyse der Opfer- und Täterseite sexueller Übergriffe. Es macht klar, warum die in der Öffentlichkeit besonders intensiv diskutierten Sexualstraftäter von einer Nachbardisziplin, wie etwa der Psychiatrie, nicht adäquat eingeschätzt und behandelt werden können, sondern hierfür eine eigene sexualmedizinische Qualifizierung erforderlich ist.
Sexualmedizin ist ein Querschnittsfach und möge als solches rasch in die ärztliche Weiter­bildungs­ordnung einfließen. Das neue Lehrbuch sei all jenen empfohlen, die in der klinischen Praxis mit Sexualstörungen zu tun haben. Dietrich Bodenstein
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