ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Vorhersagewert der Leukoplakie verbessert

MEDIZIN: Referiert

Vorhersagewert der Leukoplakie verbessert

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2437 / B-2081 / C-1949

goa

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LNSLNS Der DNA-Gehalt oraler Leukoplakiezellen erlaubt Aussagen über das zu erwartende Karzinomrisiko.
Die orale Leukoplakie als Präkanzerose stellte bislang den einzigen, wenn auch im Verlauf nicht sehr aussagekräftigen, Marker für orale Plattenepithelkarzinome dar. Norwegischen Wissenschaftlern gelang es nun, den prädiktiven Wert der oralen Leukoplakie zu präzisieren, indem sie die Biopsieproben von 150 Patienten nach Exzision der dysplastischen Epithelzellen auf ihren nukleären DNA-Gehalt (Ploidie) untersuchten und die Patienten im weiteren Verlauf über einen Zeitraum von durchschnittlich 8,6 Jahren nachbeobachteten.
Der Diploidiestatus erwies sich dabei als guter Prädiktor für das Risiko einer malignen Entartung an der betreffenden Stelle: 70 Prozent der Patienten hatten zum Zeitpunkt der Erstdiagnose diploide (normale) Läsionen, die jedoch nur in drei Prozent der Fälle tatsächlich in ein Karzinom übergingen und damit nur mit einem geringen Entartungsrisiko behaftet waren. 13 Prozent der Patienten zeigten tetraploide (intermediäre) Läsionen mit einer Karzinomrate von 60 Prozent und 17 Prozent aneuploide (anormale) Läsionen, die zu 84 Prozent in Plattenkarzinome übergingen. Wie auch aus anderen Studien bekannt, verhielt sich das Karzinomrisiko umgekehrt proportional zur Dauer bis zur malignen Transformation. Erstaunlicherweise korrelierte aber der Dysplasiegrad nicht mit dem DNA-Gehalt und dem zu erwartenden Risiko. Eine mögliche Quelle für eine Verzerrung der Daten wäre nach Ansicht der Autoren die häufigere und räumlich großzügigere Resektion in Fällen mit schwerer Dysplasie.
Da der Diploidiestatus der initialen Läsion in nahezu allen Fällen dem Status der an anderen Stellen im Mundraum gewonnenen Probeexzisionen entsprach, scheint, gerade unter Berücksichtigung der multifokalen Karzinogenese der oralen Karzinome, ein neuer Weg in der Standarddiagnostik und Therapie bei oralen Leukoplakien beschritten, schließen die Autoren. goa

Sudbø J et al.: DNA content as a prognostic marker in
patients with oral leukoplakia. N Engl J Med 2001; 344: 1270–1278.

Jon Sudbø, Division of Digital Pathology, Departement of Pathology, Norwegian Radium Hospital, Oslo, Norwegen.

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