ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Schwierige Prognose bei Essstörungen

MEDIZIN: Referiert

Schwierige Prognose bei Essstörungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2442 / B-2104 / C-1955

goa

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LNSLNS Die Wirksamkeit der heutzutage bei schweren Essstörungen zur Verfügung stehenden Interventionsmöglichkeiten ist, laut einer australischen Beobachtungsstudie, mehr als unsicher. Das Forscherteam um Ben-Tovim, Adelaide, das die Krankheitsverläufe von 220 Patientinnen, die zum Studienbeginn älter als 15 Jahre waren, in Abhängigkeit von den jeweiligen Therapien untersuchte, kam zu dem Schluss, dass weder die Art der Behandlung (Universitätsklinik, private oder öffentliche psychiatrische Institutionen oder Beratungsstelle) noch die Anzahl der Dauer der Interventionen für den individuellen Verlauf der Krankheit von entscheidender Bedeutung waren. Abgesehen von einer positiven „Akutwirkung“ therapeutischer Interventionen, scheinen vielmehr die Art der Essstörung (Einteilung nach DSM-IIIR in Anorexie, Bulimie und andere, nicht spezifizierbare Essstörungen [EDNOS]) und die Ausprägung der klinischen und psychosozialen Symptomatik einen gewissen prognostischen Wert zu besitzen. So erwiesen sich in der Anorexiegruppe (n = 95) allein das Ausmaß und die Intensität der ersten klinischen Symptome, nicht aber der BMI, das Alter oder die Krankheitsdauer als prognostische Marker dieses im Gesamtvergleich am schlechtesten zu beherrschenden Krankheitsbildes (drei Patientinnen dieser Gruppe verstarben im Studienverlauf, zwei aufgrund der Anorexie).
Innerhalb der Gruppe der an Bulimie erkrankten Patientinnen (n = 88) konnten das veränderte Selbstbild und gestörte psychosoziale Funktionen als prognostisch wertvolle Faktoren identifiziert werden und, obwohl auch in der dritten Patientinnengruppe, EDNOS (n = 37), schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurden (zwei Patientinnen verstarben), konnten anhand der zur Verfügung stehenden Daten keine prognostischen Aussagen für diese Patientinnen gemacht werden.
In der heutigen Ära einer möglichst exakten Medizin, in der Behandlungsmethoden berechtigterweise immer wieder überprüft werden, sollte diese Studie, wie die Autoren fordern, die Fachwelt auf den Plan rufen, endlich die praktizierten Therapieansätze und Interventionsmöglichkeiten nach wissenschaftlichen, harten Kriterien zu validieren. goa

Ben-Tovim DI et al.: Outcome in patients with eating disorders: a 5-year-study. Lancet 2001; 357: 1254–1257.

David I Ben-Tovim, Clinical Epidemiology and Health Outcomes Unit and Weight Disorders Unit, Flinders Medical Centre, Adelaide, SA 5042, Australien.

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