ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2001Orale Chemotherapie: Mehr Lebensqualität für Krebspatienten

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Orale Chemotherapie: Mehr Lebensqualität für Krebspatienten

Dtsch Arztebl 2001; 98(38): A-2452 / B-2094 / C-1962

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Angesichts der zum Teil gravierenden Nebenwirkungen einer Chemotherapie muss bei der Behandlung von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom das therapeutische Ziel der Tumorremission – ob mit oder ohne Verlängerung der mittleren Überlebenszeit um möglicherweise nur wenige Wochen – kritisch hinterfragt werden. Darauf hat der Tumorbiologe Prof. Hans Helge Bartsch (Freiburg) bei einem Presse-Roundtable der Firma Hoffmann-La Roche am Rande der 3. Internationalen Konferenz „Perspectives in Colorectal Cancer“ in Dublin hingewiesen. Denn wenn trotz einer Tumorremission nur eine geringe Heilungschance existiere, stehe für die Patienten der Wunsch, die verbleibende Zeit sinnvoll zu nutzen, ganz im Vordergrund.
Den Patienten bleibt mehr „Zeit zum Leben“
Orale Zytostatika, wie sie mit Capecitabine (Xeloda®) zur First-line-Monotherapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms zur Verfügung stehen, werden die Behandlung von Krebspatienten in vielerlei Hinsicht grundlegend verändern, meinte Prof. Hans-Joachim Schmoll. Die orale Behandlung bedeute für die Patienten einen Gewinn an Lebensqualität, sagte der Direktor der Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Universität Halle-Wittenberg. Es seien weniger Arztbesuche notwendig, und auch die Zahl der Kranken­haus­auf­enthalte verringere sich. Den Patienten bleibe „mehr Zeit zum Leben“.
Capecitabine ist eine Weiterentwicklung von 5-Fluorouracil (5-FU). Die Substanz, die als Tablette morgens und abends eingenommen wird, wird erst im Körper über mehrere enzymatische Schritte in eine aktive Form umgewandelt und wirkt direkt im Tumorgewebe. Dadurch sei die Wirkung von Xeloda nicht nur besser, es träten auch weniger Nebenwirkungen auf. Zudem fielen bei der oralen Behandlung die infusionsbedingten Komplikationen der herkömmlichen Chemotherapie weg, betonte Schmoll.
In zwei multizentrischen, randomisierten Studien wurde die Kombinationsbehandlung mit 5-FU und Folinsäu-re nach dem Mayo-Schema bei 604 Patienten mit fortgeschrittenem Kolonkarzinom mit einer Monotherapie mit Capecitabine bei 603 Patienten verglichen. Unter Capecitabine habe sich eine Remissionsrate von 26 Prozent im Vergleich zu 17 Prozent bei der Kombinationstherapie ergeben, berichtete Schmoll. Hinsichtlich der medianen Überlebenszeit und der medianen Zeit bis zur Krankheitsprogression gab es in beiden Patientengruppen keine Unterschiede, sodass die Monotherapie mit Xeloda im Vergleich zu einer Infusions-Kombinationstherapie mit 5-FU und Folinsäure gleichwertig sei.
Bei einer Behandlung mit Xeloda träten bei deutlich weniger Patienten Geschwüre an der Mundschleimhaut auf, und auch Durchfälle und Übelkeit seien seltener, berichtete Schmoll. Signifikant häufiger sei das Hand-Fuß-Syndrom, eine Rötung und Schwellung der Handinnenflächen und der Fußsohlen. Eine Besserung könne durch eine vorübergehende Unterbrechung der Behandlung oder durch eine Dosisreduktion erreicht werden. Jürgen Stoschek
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