ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Arzneiverordnungen: Oder so ähnlich

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Arzneiverordnungen: Oder so ähnlich

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2461 / B-2103 / C-1969

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Die Ärzte, so verlautet aus dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, aber auch aus der SPD-Fraktion, sollten künftig bei Arzneiverordnungen nur noch den Wirkstoff angeben, die Auswahl solle dann der Apotheker treffen, und der habe das jeweils Billigste auszusuchen. Damit würde die bisher schon mögliche Aut-idem-Angabe zur Regel. Lediglich dann, wenn der Arzt darauf besteht, dass sein Patient genau das verordnete Medikament bekommt, soll er aut idem ausschließen dürfen.
Die Apotheker sind von dem Vorschlag angetan, stärkt er doch, so hoffen sie, ihre Beratungskompetenz. Freilich müssten für sie die Handelsspannen neu geordnet werden, damit sie motiviert sind, die preiswerten Präparate abzugeben.
Patienten und Ärzte hingegen kann eine solche Umkehr der Aut- idem-Regelung nicht freuen. Den Patienten würde jedesmal ein anderes Päckchen ausgehändigt, je nach Apotheker, die sie aufsuchen. Das muss Verwirrung erzeugen.
Für die Ärzte würde eine solche Vorschrift bedeuten, dass ihre Therapieanweisungen nicht in der Weise ausgeführt werden, wie sie es wünschen, sondern nur so ähnlich. Das wäre ein Dammbruch. Denn es ist durchaus denkbar, dass die Idee auf andere Verordnungsbereiche ausgedehnt wird. Die alles überschattende Devise „Hauptsache billig“ kann vieles rechtfertigen.
Wenig bedacht scheint bisher die Haftungsfrage. Wer ist letzten Endes verantwortlich, wenn die erwünschte Wirkung nicht eintritt oder wenn Nebenwirkungen auftreten? Der Arzt, der verordnet hat, dessen Verordnung aber nicht exakt befolgt wurde, oder der Apotheker, der etwas Ähnliches dem Patienten ausgehändigt hat?
Verlockend scheint für die Berliner Politik bislang einzig die Kosteneinsparung. Man spricht von einer Milliarde, von anderen werden 250 Millionen genannt, wieder andere verheißen drei Milliarden. Mit anderen Worten: Niemand weiß Genaues.
Die Gesundheitspolitiker wären besser beraten, auf solche Schnellschüsse zu verzichten und sich den Strukturfragen des Gesundheitswesens im Zusammenhang zuzuwenden. Wenn kurzfristig unbedingt auf dem Arzneimittelsektor etwas getan werden muss, dann könnte man beispielsweise auf die prozentuale Zuzahlung zurückkommen. Die wäre wenigstens wieder zurückzunehmen. Norbert Jachertz
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