ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Krankenkassen: Beispiel für sinnlos verschleudertes Geld

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Krankenkassen: Beispiel für sinnlos verschleudertes Geld

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2496 / B-2150 / C-1997

Hofmann, Robert

Zur Verordnungsbewilligungstaktik einer Krankenkasse:
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LNSLNS Heute muss ich Ihnen einfach einmal schreiben, weil ich den Kanal voll habe von den ewigen Vorwürfen der Krankenkassen, dass die Ärzteschaft Geld bei der Patientenversorgung nicht richtig einsetzt beziehungsweise sogar sinnlos verschleudern würde. Ich kann ein krasses Beispiel von der Insuffizienz einer Krankenkasse liefern, die nicht in der Lage ist, die Kosten für eine Patientenversorgung so gering wie möglich zu halten.
Ich bin Stationsarzt einer traumatologischen Station eines Kreiskrankenhauses (Klinikum Bautzen-Bischofswerda, Kreiskrankenhaus Bischofswerda, Chirurgische Klinik, Kamenzer Straße 55, 01877 Bischofswerda). Häufig werde ich mit Krankenkassenanfragen zur Verweildauer beziehungsweise mit Kostenübernahmeanträgen konfrontiert. Die entsprechende Beantwortung ist eine zuweilen sehr lästige Beschäftigung, da sie aus meiner Sicht wenig mit den eigentlich „ärztlichen“ Aufgaben zu tun hat. Da wir Krankenhausärzte aber auch unseren Anteil zur Kostendämpfung beitragen müssen, erledigt man diese Aufgabe.
Anfang dieses Monats wurde ein sportlicher Fünfzigjähriger, selbst Angestellter bei einer Krankenkasse (DAK), nach einem Fahrradsturz über unsere Notfallambulanz stationär aufgenommen, da er sich eine erstgradig offene distale dislozierte Radiustrümmerfraktur linksseitig sowie eine Bennett-Fraktur des rechten Daumens zugezogen hatte. Die Radiusfraktur wurde entsprechend operativ versorgt. Die Behandlung der Daumenfraktur erfolgte durch Ruhigstellung im Gipsverband. Als nun die Wundheilung der linken Hand weitgehend abgeschlossen war, avisierten wir an einem Mittwoch die Entlassung für den nachfolgenden Sonnabend nach Hause. Da der Patient allein stehend ist und er innerhalb der Verwandtschaft/Bekanntschaft keine Person zur Hilfe für den Haushalt hat, wurde unsere Sozialarbeiterin involviert, welche nach Rücksprache mit der Krankenkasse des Patienten von mir eine Verordnung für eine Haushaltshilfe abforderte. Diese Verordnung wurde ausgestellt und am Donnerstag der Kasse gefaxt. Die Antwort auf eine telefonische Nachfrage unserer Sozialarbeiterin am Freitag war folgende: Die Bewilligung einer Haushaltshilfe bedarf einer Einzelfallentscheidung, und diese könne am Freitag niemand mehr treffen, da 13.00 Uhr Feierabend und somit Wochenende sei. Die Entscheidung sollte am Montag fallen. Der Patient blieb somit weiterhin in stationärer Behandlung.
Auf telefonische Anfrage am Montag wurde mitgeteilt, dass die Indikation für die Bewilligung einer Haushaltshilfe nicht gegeben sei! – Es dürfte wohl jedem auch nicht medizinisch ausgebildeten Menschen klar sein, dass eine Verletzung beider Hände ein deutliches Handicap bei der Verrichtung der Dinge des täglichen Lebens darstellt. – Der Patient solle dem ambulant weiterbehandelnden Kollegen vorgestellt werden, damit dieser die Verordnung von häuslicher Pflege beantragen kann, weil dazu Krankenhausärzte nicht befugt sind. Bis zur eventuellen Bewilligung der Kostenübernahme für diese Verordnung muss der Patient weiterhin in stationärer Behandlung verbleiben. Die Bewilligung stand bis zum vierten Tag nach der vorgesehenen Entlassung aus. Alles in allem wurde die stationäre Behandlung um mehrere Tage durch die Krankenkasse hinausgezögert. Die ambulante Betreuung (egal ob Haushaltshilfe oder häuslicher Pflegedienst) dürfte wesentlich preisgünstiger gewesen sein.
Ich warte nun auf die entsprechende Kassenanfrage, warum der Patient so lange stationär behandelt werden musste. Kennen Sie jemanden, der mir diese schwachsinnige Verordnungs-Bewilligungs-Taktik erklären kann? Handelt es sich vielleicht um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Angestellten der Krankenkasse?
Dr. med. Robert Hofmann, Am Bauernbusch 15, 01324 Dresden
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