ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Psychiatrische Forschung und NS-„Euthanasie

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Psychiatrische Forschung und NS-„Euthanasie

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2500 / B-2153 / C-1999

Mundt, Christoph; Hohendorf, Gerrit; Rotzoll, Maike

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LNSLNS Medizingeschichte
Anregung zum Nachdenken
Christoph Mundt, Gerrit Hohendorf, Maike Rotzoll (Hrsg.): Psychiatrische Forschung und NS-„Euthanasie“. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 2001, 334 Seiten, gebunden, 58 DM
„Im Anfang konnte sie nicht allein essen, jetzt tut sie das sehr schön [. . .] Keine Anfälle, fällt nicht auf, ruhig.“ Am 5. Oktober 1944, wenige Monate nach diesem Eintrag in die Krankenakte, war die 13-jährige Else tot, ermordet in der Heil- und Pflegeanstalt Eichberg. Else gehört zu den 21 geistig behinderten Kindern, die einem nationalsozialistischen Forschungsprojekt zum Opfer fielen, das der damalige Heidelberger Psychiater und Klinikdirektor Carl Schneider geplant und durchgeführt hat.
Am 8. Mai 1998 wurde vor der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg ein Mahnmal für die Ermordeten enthüllt. Dass dieses dunkle Kapitel aus der Geschichte der Heidelberger Universitätsmedizin nicht der Vergessenheit anheim fiel, ist einer Gruppe von Medizinhistorikern und historisch interessierten Psychiatern zu verdanken.
Ihre Forschungen dokumentiert jetzt ein Sammelband, der aus der Gedenkveranstaltung im Jahr 1998 hervorgegangen ist. Er enthält neben den damals gehaltenen Gedenkreden und Begrüßungsansprachen auch die Referate, die auf einer wissenschaftlichen Tagung im Anschluss an die Mahnmalsenthüllung präsentiert wurden. Unter den Referenten befinden sich nicht nur namhafte Psychiater (Dörner, Resch), die sich um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Disziplin Verdienste erworben haben, sondern auch einige der führenden Forscher auf dem Gebiet der nationalsozialistischen Rassenpolitik und der Medizin im Dritten Reich (Eckart, Friedlander, Roelcke, Seidler, Schmuhl).
Neben den historischen Beiträgen stehen solche, die Lehren aus der Vergangenheit für die aktuelle medizinethische Debatte (Stichwort: Sterbehilfe) anmahnen und den Leser zum Nachdenken anregen. Robert Jütte
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