ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Mycophenolatmofetil nach Lebertransplantationen

MEDIZIN: Referiert

Mycophenolatmofetil nach Lebertransplantationen

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2510 / B-2142 / C-2006

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LNSLNS Mycophenolatmofetil verbessert die durch Calcineurin-Inhibitoren verursachte Nierenfunktionsstörung, den Blutdruck und die Harnsäurekonzentration nach Lebertransplantationen, ist aber als Monotherapie mit einem erhöhten Abstoßungsrisiko vergesellschaftet.
Fast alle lebertransplantierten Patienten erhalten als immunsuppressive Basistherapie einen der beiden Calcineurin-Inhibitoren (CNI) Ciclosporin oder Tacrolimus. Aktuelle Studien mit Mycophenolatmofetil an nierentransplantierten Patienten deuten darauf hin, dass dieses für T- und B-Lymphozyten spezifische Immunsuppressivum aufgrund seines andersartigen Nebenwirkungsspektrums sogar Azathioprin überlegen sein könnte. Schlitt et al. von der Medizinischen Hochschule Hannover randomisierten zur Überprüfung der Wirksamkeit von Mycophenolatmofetil 28 lebertransplantierte und mit CNI (allein, mit Steroiden oder mit Azathioprin) vorbehandelte Patienten in zwei Gruppen: Innerhalb der Studiengruppe wurde die bestehende CNI-Therapie sukzessive durch eine Behandlung mit maximal zweimal 1 000 mg Mycophenolatmofetil täglich ersetzt (Azathioprin, wenn vorhanden, wurde abgesetzt). Die Kontrollgruppe behielt ihre individuellen Therapieschemata bei.
Nach sechs Monaten zeigte sich die verbesserte Nierenfunktion in der Studiengruppe in erster Linie durch die signifikant größere Senkung der mittleren Kreatinin-Konzentration um 44,4 µmol/l gegenüber 3,1 µmol/l in der Kontrollgruppe. Zusätzlich konnte auch der Blutdruck und die Harnsäurekonzentration signifikant gesenkt werden. Auf den erhöhten Cholesterin- und Triglyceridspiegel hatte die Medikation mit Mycophenolatmofetil keinen Einfluss, vielmehr litten acht der 14 Studienpatienten an den Nebenwirkungen von Mycophenolatmofetil: Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Appetitmangel, Pruritus und brüchige Fingernägel. Gravierender schien sich jedoch die Einbuße an immunologischer Sicherheit auszuwirken: Insgesamt zeigten drei der acht Patienten, die Mycophenolatmofetil allein erhielten, eine akute, reversible Abstoßungsreaktion (die anderen sieben Patienten aus dieser Gruppe hatten ihre zusätzliche Steroidmedikation behalten). Trotz der eindrucksvollen positiven Wirkung im Sinne einer direkten und indirekten Verbesserung bei Nierenfunktionsstörung ist, so die Autoren, eine Monotherapie mit Mycophenolatmofetil bei lebertransplantierten Patienten noch nicht zu empfehlen. goa

Schlitt H J et al.: Replacement of calcineurin inhibitors with mycophenolate mofetile in liver-transplant patients with renal dysfunction: a randomised controlled study. Lancet 2001; 357: 587–591.

Hans J. Schlitt, Klinik für Abdominal- und Transplantationschirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, 30623 Hannover.

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