ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Greifswald: Heimat des Romantikers

VARIA: Reise / Sport / Freizeit

Greifswald: Heimat des Romantikers

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2524 / B-2154 / C-2018

Barmwoldt, Joachim

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Beschaulich wirkt der Marktplatz in der Hansestadt. Häuser mit Treppengiebeln und roten Ziegeldächern, dahinter ragt der Kirchturm von St. Nikolai auf. „Caspar David Friedrich, der bedeutendste Landschaftsmaler der Romantik, schuf dieses Aquarell im Jahre 1818“, berichtet Stadtführer Stefan Hatz. Von Dresden aus besuchte Caspar David mit seiner jungen Frau Caroline Bommer damals die Verwandten in seiner Heimatstadt Greifswald.
Eine Kopie dieses Bildes hängt heute in der Sparkassenfiliale am Greifswalder Markt, neben einem Fenster im Kassenraum, durch das wir den Marktplatz, die Giebelhäuser und den Turm von St. Nikolai sehen. Abbild und Wirklichkeit unterscheiden sich kaum, obwohl 182 Jahre sie trennen.
„Das Original von Caspar David Friedrichs Marktplatz-Aquarell können Besucher jetzt in der neuen Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums besichtigen“, sagt Hatz. Der größte Teil des Gemäldebestands entstammt den Sammlungen des Städtischen Museums in Stettin. Die Kunstwerke hatten nach dem Zweiten Weltkrieg in Kiel eine neue Heimstatt gefunden. Vor einem Jahr, anlässlich der 750-Jahr-Feier Greifswalds, kamen die Bilder in die Gemäldegalerie
des Pommerschen Landesmuseums. Der Gebäudekomplex steht nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt in der Theodor-Pyl-Straße 1.
„Greifswald hat intimes Flair, ist aber weltoffen durch seine Universität“, sagt Petra Hilber, Geschäftsführerin des Fremdenverkehrsvereins. In der Hanse- und Universitätsstadt am Bodden leben 55 000 Einwohner und fast 6 500 Studierende. Hilber empfiehlt als Ausgangspunkt für einen Rundgang zum Beispiel den von Caspar David Friedrich gemalten Marktplatz mit den restaurierten gotischen Giebelhäusern.
Händler bauen dort ihre Stände auf, bieten Obst und Gemüse feil. Sobald die Sonne scheint und die Temperaturen steigen, stellen Wirte am Marktplatz Tische und Stühle vor ihre Lokale, wie zum Beispiel vor das Braugasthaus „Zum Alten Fritz“. Im Fischerbrunnen planschen unterdessen Kinder, einige klettern keck auf die Bronzefiguren, die der Künstler Jo Jastram entworfen hat.
Jastram schuf auch die zweiflügelige Tür des roten Rathauses. Es steht mitten auf dem Marktplatz. Das Besondere der Rathaustür sind ihre Bronzereliefs. Sie zeigen Szenen aus der Stadtgeschichte, zum Beispiel die Kapitulation anno 1945: Oberst Rudolf Petershagen aus Hamburg übergab die Stadt kampflos an die Rote Armee, das bewahrte Greifswald vor der Zerstörung.
Jugendliche Stadt
Hansestadt, Universitätsstadt – wir erleben Greifswald als jugendliche Stadt. Ob auf dem Fahrrad oder zu Fuß, ob allein, als Liebespaar oder als fröhliche Gruppe: Überall im Zentrum flanieren junge Leute. Einige sitzen in den Cafés der Fußgängerzone Lange Straße, andere stöbern in Buchläden, wo es neben wissenschaftlichen Werken viel Segelliteratur gibt.
Ebenfalls in der Lange Straße, Hausnummer 28, stand das Geburtshaus von Caspar David Friedrich, bis es 1901 abbrannte. Hier im Schatten der Nikolaikirche wurde er am 5. September 1774 als sechstes von zehn Kindern der Seifensiederfamilie Friedrich geboren.
Nur ein paar Schritte sind es von hier durch die Turmgasse bis zur Nikolaikirche, in der Caspar getauft wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestaltete der Greifswalder Architekt und Schinkel-Schüler Johann Gottlieb Giese das Innere des Doms im neogotischen Stil um. Backsteinwände und Säulen wurden verputzt und mit weißer Kalkfarbe übertüncht. Bei Konzerten finden bis zu 1 300 Besucher Platz in dem 90 Meter langen Kirchenschiff.
Ein graues Geschäftshaus verfällt an der Wollweberstraße/Ecke Lange Straße. Pappe statt Glasscheiben in den Fenstern, die schwarze Aufschrift „Feinbäckerei“ ist längst verblichen. Gegenüber steht ein gelber fünfgeschossiger Neubau, im Erdgeschoss ein Laden mit Küchen- und Badezimmerausstattung. Ein kurzer Spaziergang und wir erreichen eine moderne Ladenzeile: die Dompassage. In ihrer dunklen Fensterfront spiegelt sich der Dom St. Nikolai. So ist es in der gesamten Altstadt: Überall alt neben neu, „überall ist eine Aufbruchstimmung spürbar“, so Oberbürgermeister Arthur König.
Im renovierten Viersternehotel „Kronprinz“ (Lange Straße 22) hat der Koch als Tagesgericht einen Gemüseeintopf vorbereitet. Familie Geitz vom Hotel „Am Dom“ (Lange Straße 44) empfiehlt hingegen auf ihrer Tageskarte frischen „Wiecker Brathering“ mit Röstkartoffeln. Im Jazzkeller „Roxy“ in der Steinbecker Straße 17 gibt es freitags abends Live-Musik und Spare Ribs – ein Ambiente, das manchen Gast an die eigene Studienzeit denken lässt.
Universitätsstadt
Greifswalds Universität wurde 1456 gegründet. Das barocke Universitätsgebäude gegenüber der Jakobikirche entstand erst später – während der mehr als 160-jährigen Zugehörigkeit Greifswalds zu Schweden (1648–1815). Zwei Nobelpreise wurden bisher an Greifswalder Wissenschaftler verliehen: 1919 an den Physiker Johannes Stark und 1939 an den Arzt Gerhard Dormagk. Den Alternativen Nobelpreis erhielt 1997 der Biologe Michael Succow.
Wer durch die Straßen Greifswalds streift, entdeckt etwa 70 Gedenktafeln, die an bedeutende Wissenschaftler, Schriftsteller und Bür-
ger Greifswalds erinnern. So wirkte in der Martin-Luther-Straße 2 der Entdecker des Diphtheriebazillus, der Hygieneprofessor Friedrich Loeff-ler (1852–1915). In der Johann-Sebastian-Bach-Straße 17 wohnte der Dichter Ernst Moritz Arndt (1769–1860), nach dem die Universität benannt ist. Und in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 31 arbeitete von 1929 bis 1937 der Verlagsleiter Max Liedtke, der als Major im Juli 1942 fast 100 jüdische Menschen rettete. Als „Gerechter unter den Völkern“ wurde er dafür in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel geehrt. Joachim Barmwoldt


Im roten Rathaus tagt auch heute noch der Stadtrat von Greifswald. Im Hintergrund ragt hinter Giebelhäusern der Turm von St. Nikolai auf.


Unterkunft: Hotel Kronprinz, Lange Straße 22, 17489 Greifswald, Telefon: 0 38 34/79 00, Einzelzimmer 135 DM, Doppelzimmer 186 DM (jeweils inklusive Frühstück und Parkplatz). Dorint Hotel, Am Gorzberg, 17489 Greifswald, Telefon: 0 38 34/54 40, Einzelzimmer ab 162,33 DM, Doppelzimmer ab 201,45 DM, Frühstück jeweils inbegriffen.
Auskunft: Fremdenverkehrsverein der Hansestadt Greifswald und Land e.V., Rathaus am Markt, 17489 Greifswald, Telefon: 0 38 34/ 52 13 80, Fax: 0 38 34/52 13 82.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige