ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2001Asthma-Therapie: Der lange Weg von der Empfehlung zur Praxis

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Asthma-Therapie: Der lange Weg von der Empfehlung zur Praxis

Dtsch Arztebl 2001; 98(39): A-2526 / B-2155 / C-2019

Gabler-Sandberger, E.

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LNSLNS 80 Prozent der Erwachsenen mit Asthmasymptomen und bronchialer Hyperreagibilität würden nicht als Asthmatiker diagnostiziert, erklärte Prof. Peter Kardos (Frankfurt/ Main) bei einem Symposium der Schwarz Pharma anlässlich der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie in Jena. Nächtliche Atemnot und Husten infolge infektbedingter vorübergehender Steigerung der bronchialen Reaktionsbereitschaft würden nicht als Asthma erkannt, und es würden frustrane Therapieversuche mit Sekretolytika unternommen.
Aber auch vonseiten der Patienten reflektiert sich in der panischen Reaktion auf die Diagnose Asthma die ablehnende Einstellung der Bevölkerung, die Krankheit Asthma als Stigma anzusehen. Auch bei asthmakranken Kindern bestehen laut Prof. Karl Paul (Berlin) Defizite hinsichtlich Diagnose, Therapie und Beratung. Das Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung führte eine Fragebogenaktion durch, die auswertbare Antworten zu 1 071 Fällen von Asthma bronchiale bei Kindern erbrachte. 40 Prozent der Eltern berichteten, dass sie zwei Ärzte aufsuchen mussten, bis ihre Kinder eine adäquate Asthmatherapie erhielten; 30 Prozent der Eltern gaben sogar drei und mehr Arztbesuche an. Obwohl 83 Prozent der Kinder an allergischem Asthma litten, waren die Ergebnisse der Allergietestung nur einem Teil der Eltern bekannt. Bei 19 Prozent der Kinder mit schwerem Asthma waren keine antiinflammatorischen Medikamente verordnet worden, und nur 20 Prozent der Kinder besaßen den obligatorischen schriftlichen Notfallplan.
Für die Umsetzung der therapeutischen Leitlinien zur Asthmatherapie stehen für alle Altersgruppen hochwirksame Medikamente zur Verfügung. Hinsichtlich des Ansprechens auf die antiinflammatorische Therapie gab Paul zu bedenken, dass sich im Zuge der nachlassenden Entzündungsreaktion zuerst die Symptome bessern, dann die Peak-Flow-Werte, später die FEV1-Werte und zuletzt die Hyperreagibilität.
Die alleinige Anwendung kurz wirksamer Beta2-Sympathikomimetika ist ausschließlich bei einem leichtem Asthma bronchiale (Schweregrad 1) ausreichend; also bei gelegentlichen Asthmaanfällen durch Allergenkontakt oder bei körperlicher Anstrengung, allerdings nicht häufiger als ein- bis zweimal pro Woche.
Bei allen anderen Patienten ist eine antientzündliche Therapie erforderlich. Bei Erwachsenen wird eine Dauertherapie mit inhalativen Glucocorticoiden in niedriger Dosierung bei Schweregrad 2 empfohlen. Vom Schweregrad 3 an werden höher dosierte Glukokortikoide in Kombination mit einem lang wirksamen Beta-2-Sympathikomimetikum empfohlen. Die Entwicklung fester Kombinationen, beispielsweise von Salmeterol und Fluticason als Pulverinhalator (atmadisc®), hat die Voraussetzungen für eine zuverlässige Durchführung dieser Therapie geschaffen. Bei einer chronischen Erkrankung wird die Therapietreue des Patienten durch eine Vielzahl von Faktoren infrage gestellt. Einsicht in das Krankheitsgeschehen, in die Notwendigkeit der antiinflammatorischen Therapie, die dem Patienten keine unmittelbar spürbare Erleichterung verschafft, und das Aufarbeiten unbegründeter Ängste wegen Nebenwirkungen einer inhalativen Corticosteroidtherapie sind neben dem Erlernen der richtigen Anwendung der Inhalationssysteme wichtige Inhalte, die der behandelnde Arzt dem Patienten vermitteln sollte.
Dr. med. E. Gabler-Sandberger
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