ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Deutsche Bischofskonferenz: Kein „Zellhaufen“

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Deutsche Bischofskonferenz: Kein „Zellhaufen“

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2533 / B-2181 / C-2029

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Die Attentate von New York und Washington haben wohl nur kurzfristig das Thema Medizinethik in den Hintergrund treten lassen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zu Beginn der diesjährigen Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Es werde nicht mehr lange dauern, bis Nachrichten über neue Experimente eintreffen würden.
Die Bischofskonferenz hielt es deshalb für erforderlich, sich intensiv mit den Themen Stammzellforschung, Beginn des menschlichen Lebens und Schutzwürdigkeit von Embryonen zu beschäftigen. Doch ist ihre Meinung überhaupt gefragt? Viel entscheidender scheint da beispielsweise die Empfehlung des Nationalen Ethikrats, der sich zurzeit damit beschäftigt, ob embryonale Stammzelllinien importiert werden und an ihnen geforscht werden darf. Doch das Gremium, bei dem Repräsentanten der ka-
tholischen Kirche mit Wissenschaftlern, die einem Embryo in frühem Stadium keine volle Schutzwürdigkeit zubilligen, an einem Tisch sitzen, kann sich nicht einigen und stellte zunächst lediglich fest: „Es gibt mehrere Meinungen zu diesem Thema.“ Dass es auch keine spezielle katholische Meinung gibt, räumte Kardinal Lehmann ein. Dennoch können und wollen die Bischöfe richtungweisend sein. „Die Kirche sieht sich als Anwältin des Lebens und als Anwältin des Menschen. Wir haben in dieser öffentlichen Diskussion nur die ,Macht‘ unserer guten Argumente“, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.
Und so heißt es in einem „orientierenden Text“ der katholischen Bischöfe: Embryologische Forschungen über die Vereinigung von Ei- und Samenzellen stützen die These, dass der Embryo kein „Zellhaufen“, sondern von Anfang an Mensch ist und sich als solcher entwickelt. Versuche, eine abgestufte Schutzwürdigkeit zu begründen, seien ebenso zurückzuweisen wie Vorschläge, das Lebensrecht erst mit der Geburt beginnen zu lassen.
Eine Außenseitermeinung ist diese Auffassung sicher nicht. Schließlich deckt sie sich auch mit dem (bisher noch) geltenden Embryonenschutzgesetz. Gisela Klinkhammer
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