ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Börsebius über Fonds: Pleite für den Primus

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Fonds: Pleite für den Primus

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Die unselige Geschichte begann mitten im Sommer des Jahres 1992. Da wechselte ein gewisser Peter Young von Mercury Asset Management zu Morgan Grenfell, einem gleichermaßen bekannten und renommierten Investmenthaus. Young, gerade 36jährig, wollte nach oben, seinen Klienten zeigen, was eine Harke ist, und übernahm die Verwaltung des Morgan Grenfell European Growth Trust mit immerhin 70 000 Investoren; so viele passen gerade mal ins Münchner Olympiastadion.
Die Sache läuft toll. Ende 1995 schafft der Morgan Grenfell European Growth einen Wertzuwachs von 35 Prozent und stürmt damit die Fonds-Hitlisten der europäischen Wirtschaftszeitschriften. Young ist der Superstar, kassiert exorbitante Prämien. Ein toller Kerl. Gleichzeitig ist man in London stinkesauer auf die Deutsche Bank Frankfurt. Die haben mittlerweile Morgan Grenfell übernommen und kaufen ganze Anlageteams von anderen Fondsgesellschaften auf, koste es, was es wolle. Die deutschen Fondsmanager sind indes arg geknickt. Zum einen werden ihnen ständig die exorbitanten Erfolge der britischen Kollegen vorgehalten, zum anderen kassieren sie im Vergleich zu denen bloß mal ein Butterbrot.
Derweil ist der Apfel längst faul. Weiß bloß noch keiner. Sunny Boy und Großverdiener Young ist nämlich ein Trickser und gründet Luxemburger Holdinggesellschaften, bei denen er Aktienpakete aufhängt, die er eigentlich aufgrund der 10-Prozent-Regel niemals hätte kaufen dürfen. Ein Fonds darf in der Regel nämlich keineswegs mehr als zehn Prozent an nicht börsennotierten Titeln kaufen. Dieser Anteil ist bei Young längst auf über ein Drittel gestiegen. Wertermittlung gleich Glücksspiel.
Die Sache fliegt erst im Juli 1996 auf. Zuvor haben alle Kontrollmechanismen versagt, oder anders, in Frankfurt hat man sanft geschlafen. Die Deutsche Bank ist mittlerweile aufgewacht und kauft Fondsanteile für mehrere hundert Millionen Mark zurück. Die gesamte Fondsbranche ist besorgt über mögliche Kratzer am Lack. Die Bankenaufsicht läßt sich von deutschen Fondsgesellschaften Bestandslisten geben. Zur Prüfung von Auffälligkeiten. Ich dachte immer, die Berliner Fondswächter würden das ständig tun. Die Besorgnis bleibt. Börsebius
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