ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Arzneimittel: Aufklärung bemängelt

AKTUELL

Arzneimittel: Aufklärung bemängelt

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2536 / B-2166 / C-2029

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Transparency International fordert mehr Transparenz im Gesundheitswesen.
Die Patienten werden nach Einschätzung von Verbraucherschützern nicht ausreichend über Arzneimittel und Behandlungsfehler informiert. In den Krankenhäusern würden jedes Jahr mehr als 200 000 Fälle von Arz-
neimittelschäden behandelt, heißt es in einer am 28. September in Berlin vorgestellten Studie der deutschen Sektion von Transparency International (TI). Von diesen Patienten sterben der Studie zufolge 5 000 bis 8 000 jährlich. TI stützt sich dabei offenbar im Wesentlichen auf Presseberichte und auf Aussagen einzelner Sachverständiger. Eine unabhängige Prüfung von Arzneimittelrisiken gebe es nicht, bemängelte Thomas Isenberg von der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Die beiden Organisationen forderten mehr Transparenz im Gesundheitswesen und den Ausbau von Patientenrechten.
TI-Expertin Anke Martiny wies auf eine Vielzahl von Korruptionsskandalen im Gesundheitswesen hin. Die Angaben wurden im Publikum allerdings teilweise in Zweifel gezogen. Laut Martiny werden einige medizinische Leistungen angeboten, deren Nutzen zweifelhaft sei. Patienten hätten nicht die Möglichkeit, sich über finanzielle Eigeninteressen der Anbieter oder medizinische Aspekte zu informieren. Kranke seien häufig „den kommerziellen Interessen von Ärzten, Apothekern und sonstigen Anbietern“ ausgeliefert, kritisierte Isenberg.
TI und VZBV bemängelten weiter, dass die Opfer von
ärztlichen Behandlungsfehlern selten ihre Rechte durchsetzen könnten. Mehr als 15 000 Klagen wegen Behandlungsfehlern gingen jährlich bei Zivilgerichten ein, die Dunkelziffer liege weit höher. Isenberg forderte eine ärztliche Offenbarungspflicht und eine systematische Medizinschadensforschung sowie einen staatlichen Fonds für unabhängige Arzneimittelberatung. Die Pharmaindustrie bezahle Kongresse zur ärztlichen Fortbildung. Auch die klinische Forschung werde von der Industrie dominiert und sei deshalb korrumpiert, verkündete Peter Schönhöfer, Herausgeber des Arznei-Telegramms.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema