ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Donum vitae: Beratungsstellen in 140 Orten

POLITIK

Donum vitae: Beratungsstellen in 140 Orten

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2548 / B-2192 / C-2039

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS Zwei Jahre nach Gründung des Vereins fand die erste bundesweite Jahrestagung statt.


Rita Waschbüsch, die Vorsitzende des Vereins Donum vitae, zeigte sich zufrieden: „Donum vitae ist ein gelungenes Beispiel, wie aktive Selbstorganisation heute gelingen kann“, sagte sie auf der ersten bundesweiten Jahrestagung der Organisation am 21. September in Fulda. Der Verein sei inzwischen finanziell abgesichert, die innerkirchliche Diskussion habe sich deutlich beruhigt.
Zur Erinnerung: Nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz von 1995 muss jede Frau, die eine Abtreibung erwägt, sich vorher von einer staatlich anerkannten Stelle beraten lassen und sich die Beratung bescheinigen lassen. Auch die katholische Kirche hat diese gesetzliche Regelung mitgetragen. Dazu hatten Caritas und der Sozialdienst katholischer Frauen ein Netz von Beratungsstellen aufgebaut. Papst Johannes Paul II. gab Ende 1999 den deutschen Bischöfen die Anweisung, die Beratung zwar fortzusetzen, aber keine Bescheinigungen mehr auszustellen. Dies führte zur Gründung von „Donum vitae“ (dazu DÄ, Heft 46/2000). Der Verein, der „ungeborenes Leben schützen will“, stellt eine Bescheinigung aus, wenn dies gewünscht wird.
Kritik an Spätabtreibungen
Inzwischen sei man in allen Bundesländern – außer in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – mit einer Vielzahl von örtlichen Vereinen und Gruppierungen vertreten, berichtete Waschbüsch. 86 staatlich anerkannte Beratungsstellen mit 57 Außenstellen seien in 140 Orten Deutschlands tätig. In den zwölf Beratungsstellen, die bereits im Jahr 2000 ihre Tätigkeit aufgenommen hatten, seien 1 109 Frauen im Erstkontakt beraten worden. Angestellt sind nach ihren Angaben bei Donum vitae 180 Beraterinnen, die von 90 Verwaltungsangestellten unterstützt werden. Zusätzlich arbeiten mehr als 300 ehrenamtliche Mitglieder für die Organisation.
Finanziert wird die Arbeit von Donum vitae vor allem durch Spenden und Zuschüsse der Länder. Im Jahr 2000 erhielt der Verein nach eigenen Angaben rund drei Millionen DM an Spenden, im ersten Halbjahr 2001 bereits zwei Millionen. Für die langfristige Sicherung der finanziellen Basis hat Donum vitae jetzt eine Stiftung gegründet.
Die Diskussion innerhalb der katholischen Kirche über Donum vitae habe sich weitgehend beruhigt, betonte Waschbüsch. Laien dürften selbstverständlich das tun, „was die große Mehrheit der deutschen Bischöfe über Jahre hinweg mit großer Überzeugung und großem Erfolg getan hat“. Der Vorwurf, Donum vitae würde gegen die kirchliche Lehre handeln und die Kirche spalten, sei unberechtigt und absurd. Wie sonst hätte der Papst den Bischöfen mehr als fünf Jahre Übergangsfrist für den Ausstieg gewähren können und wie sonst wäre dem Limburger Bischof Kamphaus der Verbleib im staatlichen System möglich gewesen, fragte die Vorsitzende des Vereins. Gleichzeitig kritisierte sie die bestehende gesetzliche Regelung: „Die Tatsache, dass in der Bundesrepublik bis kurz vor der Geburt so genannte Spätabtreibungen vorgenommen werden, ist ein Skandal, an dessen Überwindung wir mit aller Kraft arbeiten müssen.“ Donum vitae setze sich deshalb für eine Änderung des ärztlichen Haftungsrechtes, eine Beratung vor und nach der Pränataldiagnostik sowie eine rechtliche Klärung des Anwendungsbereiches der medizinischen Indikation ein. Kli
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