ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Medi-Kongress: Strategien für gemeinsame Projekte

POLITIK

Medi-Kongress: Strategien für gemeinsame Projekte

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2552 / B-2194 / C-2041

Gerst, Thomas

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LNSLNS Mit einer noch gezielteren Ansprache sollen die Vorteile der Medi-Verbünde für den Arzt verdeutlicht werden. Einkaufsmodelle der Krankenkassen stoßen auf Widerstand.

Gerade angesichts der gegenwärtig laut werdenden Forderungen von Politikern, die Kassenärztlichen Vereinigungen aufzulösen, sei es wichtig, dass sich die Ärzte zu schlagkräftigen Parallelorganisationen wie den Medi-Verbünden zusammenschließen, betonte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm, beim 2. Deutschen Medi-Kongress in Stuttgart am 28. September. Sollten solche Forderungen tatsächlich umgesetzt werden, stünden Organisationen bereit, die zur Vertretung der ärztlichen Interessen bestens geeignet seien. Ein aktuelles Beispiel dafür, wie die Politik die kassenärztliche Selbstverwaltung an den Rand drängen will, sei der Gesetzentwurf zum Risiko­struk­tur­aus­gleich (RSA). Hier werde den Krankenkassen bei den Disease-Management-Programmen (DMP) die alleinige Planungskompetenz zugewiesen, den Ärzten werde lediglich das Recht auf Anhörung eingeräumt. Die KBV fordert: Nicht nur die Krankheiten sollen vom Koordinierungsausschuss, einem paritätisch besetzten Organ der gemeinsamen Selbstverwaltung, definiert werden, sondern auch die Anforderungsprofile für die Disease-Management-Programme sollen dort entwickelt werden.
In Stuttgart trafen sich die Vertreter der Medi-Verbünde (Nord-Württemberg, Berlin, Trier) und der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, um Informationen über das bisher Erreichte auszutauschen und gemeinsam Strategien für weitere Projekte zu planen. So hat der Medi-Verbund Nord-Württemberg unter Führung von Dr. med. Werner Baumgärtner bereits eigene Orientierungshilfen für die Durchführung von Disease-Management-Programmen entwickelt, die den Krankenkassen angeboten werden sollen. Bis Jahresende sollen diese Orientierungshilfen für Hypertonie, Diabetes, koronare Herzkrankheit und Brustkrebs vorliegen. Der Medi-Verbund will aber bei DMP nicht selbst als Vertragspartner der Krankenkassen auftreten, sondern es wird ein Vertragsabschluss über die Kassenärztliche Vereinigung angestrebt. Baumgärtner, Vorsitzender der KV Nord-Württemberg, betonte die Notwendigkeit, sich entschieden den Einkaufsmodellen von Krankenkassen entgegenzustellen. So stellten die von den Krankenkassen angebotenen Einzelverträge zur Akupunktur einen ersten Versuch dar, solche Einkaufsmodelle durchzusetzen. Alle Medi-Ärzte in Nord-Württemberg seien vor die Wahl gestellt worden, entweder aus bestehenden „Dumping-Verträgen“ mit den Krankenkassen auszusteigen oder den Medi-Verbund zu verlassen. „Wer bei der Akupunktur als Medi-Arzt bereits in die Knie geht, fällt bei Disease-Management-Programmen gleich um.“ In einem zweiten Schritt will der Medi-Verbund Verhandlungen mit den Krankenkassen aufnehmen, um für die Medi-Ärzte eine bessere Vergütung bei Akupunktur-Leistungen zu erzielen. Andreas Rinck, Vorstandsmitglied der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein, wies darauf hin, dass es bei einem 50-prozentigen Organisationsgrad nicht einfach sei, sich gegen die Akupunkturverträge der Krankenkassen durchzusetzen, solange diese mit den anderen Ärzten eine flächendeckende Versorgung sicherstellen können.
Mit einer eigenen Pharma-Vertriebsgesellschaft (Q-pharm AG), mit der Bündelung der Einkaufsmacht bei Praxisbedarf, Versicherungen, medizinischen Geräten et cetera will die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein vor allem wirtschaftliche Vorteile an die Genossenschaftsmitglieder weitergeben. Allerdings hat man hier genauso wie in den Medi-Verbünden die Erfahrung machen müssen, dass es nicht einfach ist, die Mitglieder der Genossenschaft für die günstigen Angebote zu interessieren. Mit einer noch gezielteren Ansprache sollen die Vorteile für den Arzt deutlich gemacht werden. Verstärkt versucht man sich in Schleswig-Holstein auf dem so genannten Zweiten Gesundheitsmarkt, das heißt bei einem medizinischen Leistungsangebot jenseits der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung, zu positionieren.
Für den Medi-Verbund Nord-Württemberg kündigte Baumgärtner den unmittelbar bevorstehenden Abschluss zweier Verträge mit privaten Kran­ken­ver­siche­rungen an. Diese betreffen den Bereich „ambulantes Operieren“ und einen PKV-Spezialtarif auf der Grundlage einer wirtschaftlichen Verordnung und Versorgung mit ärztlichen Leistungen.
Vor allem um die Verhandlungsposition gegenüber den gesetzlichen Krankenkassen zu stärken, strebt Baumgärtner einen gemeinsamen Medi-Verbund für ganz Baden-Württemberg an. Langfristig sollten sich die verschiedenen Medi-Verbünde und Genossenschaften bundesweit in einer Dachorganisation zusammenfinden. Thomas Gerst

Gegen Einkaufsmodelle von Krankenkassen: Werner Baumgärtner, KV-Vorsitzender von Nord-Württemberg
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