ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1996Computer contra Ehefrau

VARIA: Post scriptum

Computer contra Ehefrau

Josten, Mathias

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LNSLNS Unser Nachbar, der Hellweg, ist ein Computerspezialist. Das ist sein Beruf. Natürlich hat er auch zu Hause eine Computeranlage. Neulich war ich bei Hellwegs, traf jedoch nur Frau Hellweg an: "Wo ist denn Ihr Mann?"
"Er ist dort, wo er nach Feierabend immer ist. Er beschäftigt sich mit seinem Computer."
"Wie, er läßt Sie allein?"
"Jeden Abend."
"Jedenfalls tut er etwas für seine Fortbildung. Als Spezialist muß er ja auf dem laufenden bleiben."
"Ich bin immer allein. Tagsüber ist er im Büro, abends sitzt er vor seinem Bildschirm. Früher saßen wir noch gemeinsam vor dem Fernseher. Das interessiert ihn alles nicht mehr. Jetzt brütet er über Programme. Bis er ins Bett kommt, schlafe ich, und morgens ist er wieder in seiner Firma.
Wie soll ich mit einem Computer konkurrieren?"
"Wollen Sie sich scheiden lassen?"
"Ich habe damit gedroht."
"Und wie hat er reagiert?"
"Er hat gesagt, er würde ein Programm ausarbeiten, das in der Lage wäre, auf dieses Problem modifizierte Alternativen anzubieten."
"Wie wäre es, wenn Sie sich auch einen Computer anschaffen würden? Ihr Mann könnte die Computer miteinander vernetzen, so könnten Sie über Bildschirm reden."
"Das ist doch keine Ehe. Soll ich mit dem Monitor ins Bett gehen?"
"Davon habe ich nichts gewußt. Vielleicht sollte ich mal mit ihm reden."
"Ich habe nichts dagegen. Er ist seinem Computer hörig, da wird nichts helfen."
Ich stand auf und ging zu Herrn Hellweg. Er saß vor seinem Bildschirm, der mit Zahlen bedeckt war, und kaute an seinen Fingernägeln.
"Hallo, lieber Nachbar."
Der Hellweg sah mich an, brauchte aber eine Weile, bis er mich erkannte. Anschei-nend befand er sich vorher in einer anderen Welt.
"Na, noch bei der Arbeit?"
"Ja, die automatische Silbentrennung hat immer noch Schwierigkeiten."
"Davon verstehe ich nichts. Wie geht es denn Ihrer Frau?"
"Augenblick, das kann ich im Computer abrufen."
Er löschte das Programm. Rief ein neues Programm auf, gab einige Befehle über die Tastatur ein und zeigte auf den Bildschirm:
"Da steht es, sie ist wahrscheinlich in ihrem Bad. Wenn Montag ist, ist sie zum Yogakursus, wenn aber Freitag ist, dann sieht sie im Fernsehen Derrick, anderenfalls liest sie in ihren Illustrierten."
"Ihre Frau vermißt Sie sehr. Da Ihre Frau Sie liebt, macht sie sich Sorgen um die eheliche Gemeinsamkeit. Ihre Frau meint, sie sei eine Computerwitwe, sie hätte Sie an den Computer verloren, der würde zwischen Ihnen und Ihrer Frau stehen. Bitte, erlauben Sie mir eine Frage: Lieben Sie Ihre Frau noch?"
Der Hellweg hatte mir mit großen Augen zugehört. Nach meiner Frage drehte er sich herum und bediente wieder die Tastatur.
"Was machen Sie da?"
"Ich frage den Computer."
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