ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Hyperaktivität: Mängel bei der fachlichen Begründung

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Hyperaktivität: Mängel bei der fachlichen Begründung

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2571 / B-2195 / C-2059

Katterfeldt, R.-N.

Zu dem Beitrag „Lehrer greifen in die Therapiehoheit ein“ von Joseph Kanders in Heft 33/2001:
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LNSLNS Begrüßenswert ist der Artikel insofern, als die Arroganz von manchen Pädagogen, sich einerseits jede Kritik an ihrem pädagogischen Tun zu verbitten, andererseits im psychischen Bereich mit Diagnosen und Therapie-Empfehlungen – bar jeden Sachverstandes – um sich zu werfen, Beachtung verdient. Der Artikel weist aber substanzielle Mängel auf hinsichtlich der fachlichen Begründung, die Gabe von Ritalin oder Medikinet beim Vorliegen des „ADHS“-Syndroms als notwendig zu bezeichnen. Dieses Syndrom, das lediglich Verhaltensauffälligkeiten beschreibt, ist in der Ursache noch nicht damit erklärt. Organische Ursachen werden zwar genannt, wie eine Störung des Hirnstoffwechsels oder Vererbung, die bisher noch nicht eindeutig nachgewiesen sind. Die Abgrenzung gegenüber Depression im Kindesalter ist unscharf. Die Behauptung, Medikamentengabe sei unverzichtbar, lässt auf mangelndes Wissen alternativer Ursachenerklärung und Therapieformen schließen. Bonney, Storck und Berger, um nur einige zu nennen, konnten nachweisen, dass bei ausgetesteten „ADHS-Kindern die pathopsychodynamischen Einflüsse aus der sozialen Umgebung sträflich vernachlässigt wurden und dass analytisch-tiefenpsychologische Therapie sowie auch Familientherapie – ohne Medikamentengabe – durchschlagende Erfolge erzielten. Das entspricht auch meiner Praxiserfahrung. Vermehrt wird diskutiert, wieweit zunehmend die „unruhige Gesellschaft“ auch ein „ADHS“-Syndrom häufiger vorzubringen vermag als zuvor (weiß man um die Wirkung beziehungsweise Nebenwirkung des Großexperimentes teilweise exzessiver Medieneinwirkung, denen Kinder in immer früherem Alter ausgesetzt sind?).
Zum Schluss möchte ich anmerken, dass Ritalin, welches mit Kokain verwandt ist und den Betäubungsmittel-Bestimmungen unterliegt, möglicherweise doch ein höheres Suchtpotenzial in sich trägt als allgemein vermutet.
Dr. med. R.-N. Katterfeldt, Herforder Straße 1, 59555 Lippstadt
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