ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1996World Stroke Congress in München: Notarzt wird meist zu spät benachrichtigt

SPEKTRUM: Akut

World Stroke Congress in München: Notarzt wird meist zu spät benachrichtigt

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Schlaganfallpatienten, die innerhalb von drei bis höchstens sechs Stunden nach dem Ereignis mit dem gentechnisch hergestellten Tissue Plasminogen Aktivator (t-PA) behandelt werden, haben eine signifikant bessere Prognose hinsichtlich der Wiederherstellung ihrer Alltagsfähigkeiten. Aber: Weniger als zehn Prozent der Patienten kommen rechtzeitig in eine stationäre Behandlung. Beim 3. World Stroke Congress in München sagte der Kölner Neurologe Prof. Wolf-Dieter Heiss: Betroffene, Angehörige und auch Ärzte zögerten immer noch vielfach die Benachrichtigung eines Notarztes oder die Einweisung in eine Klinik hinaus, weil sie die Symptome verkennen oder hoffen, daß diese spontan wieder verschwinden. Tatsächlich stehe das "therapeutische Fenster" aber nur wenige Stunden offen. Beim Schlaganfall komme es auf jede Minute an.


Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hatte im Juni t-PA zur Behandlung des akuten Schlaganfalls zugelassen, nachdem große Studien in den USA und Europa den Nutzen einer solchen Therapie gezeigt hatten. Allerdings kommt es entscheidend darauf an, die richtigen Patienten für die Therapie auszuwählen: So erlitten in der europäischen Studie, bei der die Behandlung innerhalb von sechs Stunden einsetzte, 20 Prozent der Patienten eine Hirnblutung. In der US-Studie, in der t-PA nur innerhalb der ersten drei Stunden nach einem Schlaganfall gegeben wurde, traten Hirnblutungen nur bei 6,5 Prozent der Patienten auf. In Deutschland ist tPA bislang noch nicht für die Indikation Schlaganfall zugelassen und sollte daher zunächst nur in spezialisierten Zentren eingesetzt werden, erklärte Prof. Michael Hennerici (Heidelberg).


Etwa 160 000 bis 250 000 Menschen erleiden in Deutschland jährlich eine Apoplexie; rund
100 000 Patienten sterben an den Folgen. In mehr als 80 Prozent der Fälle sind Blutgerinnsel, Embolien oder arteriosklerotische Ablagerungen in den Hirngefäßen Ursache eines Schlaganfalls, in knapp 20 Prozent ist eine Hirnblutung der Auslöser. Das CT ist deshalb nach wie vor wichtigstes diagnostisches Hilfsmittel, da mit seiner Hilfe eine Blutung ausgeschlossen werden kann. Andererseits wird der Hirninfarkt selbst im CT erst dann erkennbar, wenn die Schäden bereits zu morphologischen Veränderungen geführt haben. Seit einigen Jahren werden deshalb auch die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) und die Positronenemissions-Tomographie (PET) erprobt, die außer Strukturen auch Funktionen und Stoffwechselprozesse sichtbar machen. Allerdings sind diese Untersuchungen noch sehr zeitaufwendig und dauern zu lange, sagte Heiss. Jürgen Stoschek

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