ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Innovationspreis: Pharmazeuten zeichnen Trastuzumab aus

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Innovationspreis: Pharmazeuten zeichnen Trastuzumab aus

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): A-2598 / B-2217 / C-2081

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Die Substanz Trastuzumab zur Behandlung des metastasierenden Mammakarzinoms erhält den diesjährigen Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung. Der Wirkstoff, der als Herceptin® von Hoffmann-La Roche auf den Markt gebracht wurde, bietet Frauen mit Brustkrebs, die auf die herkömmlichen Therapiestrategien nicht ausreichend ansprechen, eine neue Option und stellt somit einen deutlichen Fortschritt dar, betonte Chefredakteur Dr. rer. nat. Hartmut Morck anlässlich des Deutschen Apothekertages in München.
Trastuzumab ist ein Antikörper gegen den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2). Der Arzneistoff ist auch bei estrogenunabhängigen, proliferierenden Tumoren wirksam und bietet somit – nicht zuletzt auch dank seiner guten Verträglichkeit – eine sinnvolle Alternative zu unspezifisch wirkenden Zytostatika.
Eingriff in die Steuerung des Zellwachstums
Trastuzumab bindet hochspezifisch an die HER2-Rezeptoren der Tumorzellen. Hierbei handelt es sich um Rezeptoren, die Wachstumssignale empfangen und somit an der Steuerung des Zellwachstums beteiligt sind. Bei rund 30 Prozent der Mammakarzinom-Patientinnen sind diese HER2-Rezeptoren auf der Oberfläche der Tumorzellen besonders stark exprimiert.
Die HER2-Überexpression geht dabei auf eine Amplifikation des Gens für den Rezeptor HER2/neu zurück, wie Prof. Axel Ullrich vom Max-Planck-Institut für Biochemie (Martinsried) darlegte. Der Defekt wurde schon 1987 nachgewiesen und korreliert mit einem beschleunigten Tumorwachstum, einem aggressiveren Tumortyp und somit zugleich mit einer schlechteren Prognose der Patientin.
Der Antikörper bindet spezifisch an die Tumorzelle
In zwei groß angelegten internationalen Studien konnte gezeigt werden, dass Trastuzumab in Kombination mit Paclitaxel einen klaren lebensverlängernden Effekt bewirkt. So konnte die mittlere Überlebenszeit der Patientinnen von 20 auf 27 Monate verlängert werden. Die hohe Effektivität erklärt sich dadurch, dass der neue Antikörper direkt und spezifisch an die Tumorzellen bindet und so verhindert, dass weitere Wachstumssignale übertragen werden. Die Zelle kann sich somit nicht mehr teilen. Zugleich werden körpereigene Abwehrmechanismen aktiviert, und die Tumorzelle kann beispielsweise durch eine antikörper-vermittelte Zytotoxizität eliminiert werden.
Zugelassen ist der Wirkstoff seit Oktober 1998 in den USA und seit August 2000 in der Europäischen Union für die Behandlung von Patientinnen mit metastasiertem HER2-überexprimiertem Mammakarzinom – und zwar in der Erstlinientherapie in Kombination mit Paclitaxel und als Monotherapie nach dem Versagen von zwei vorangegangenen Chemotherapien. Weltweit wurden inzwischen
45 000 Patientinnen mit dem Antikörper behandelt. In Deutschland beginnt in diesen Wochen eine internationale Studie, die den Stellenwert von Herceptin auch in adjuvanten Situationen – also direkt nach der Operation des Primärtumors – untersuchen soll. zyl
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