ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1996Mutterpaß: Gestationsdiabetes nicht vergessen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Mutterpaß: Gestationsdiabetes nicht vergessen

Friebe, Mathias; Raphael, Astrid; Göbel, Susanne; Jegodka, Rüdiger; Kindler, Uwe

Zu der Mitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung "Überarbeitete Neuauflage des Mutterpasses 1996" in Heft 30/1996
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LNSLNS Vorgestellt wurde die überarbeitete Auflage des Mutterpasses. Neben den zu begrüßenden Neuerungen fällt eine Lücke auf: das fehlende Screening bezüglich des Gestationsdiabetes (GDM). Dieser, definiert als jede während einer Schwangerschaft diagnostizierte Störung der Glukosetoleranz beziehungsweise Manifestation eines Diabetes mellitus, betrifft zirka 3 bis 5 Prozent aller Schwangeren. Unentdeckt führt er zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität von Mutter und Kind. Da die Schwangeren im allgemeinen beschwerdefrei sind, kann der GDM nur durch eine gezielte Suche erkannt werden. Zu den mütterlichen Risiken zählen vermehrte Harnwegsinfekte, Gestose, Hydramnion sowie eine erhöhte Sectio-Rate. Für das Kind sind dies Makrosomie, postpartale Hypoglykämie, Hypokalzämie und akutes Atemnotsyndrom. Des weiteren führt ein unerkannter GDM zu einer erhöhten Tot- und Frühgeburtenrate.
In Kenntnis dieser Komplikationen wird von der Arbeitsgruppe Diabetes und Schwangerschaft der Deutschen Diabetesgesellschaft in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für jede Schwangere ein wenig kosten- und zeitaufwendiger Screeningtest gefordert. Hierzu erfolgt in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche eine einmalige Blutzuckerbestimmung nach oraler Gabe von 50 g Glukose, unabhängig von der Tageszeit und vorausgehenden Mahlzeiten. Bei einem Wert über 140 mg/dl ergibt sich der Verdacht eines GDM, mit der Notwendigkeit einer weiteren Abklärung.
Im Rahmen eines Projektes "Diabetes und Schwangerschaft" in unserer Klinik haben wir, in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Gynäkologen, ein Vorgehen zur Früherkennung des GDM erarbeitet. Anhand der Testkriterien erfolgt die Durchführung des oralen Glukosetoleranztests, dessen Ergebnis, auf einem Aufkleber vermerkt, in den noch vorhandenen Freiräumen des Mutterpasses eingefügt wird. Die ersten eigenen Daten scheinen den Sinn dieses Screenings zu belegen.
Unter Berücksichtigung des geringen Aufwands und der weitreichenden Konsequenzen für Mutter und Kind halten wir es für notwendig, bei der nächsten Auflage des Mutterpasses einen entsprechenden Eintrag zu berücksichtigen.
Dres. Mathias Friebe, Astrid Raphael, Susanne Göbel, Rüdiger Jegodka, Prof. Dr. med. Uwe Kindler, Evangelisches Krankenhaus, Innere Medizin – Diabetikerschulung, Virchowstraße 20, 46047 Oberhausen
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