ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2001Qualitäts-Management in der Politik

VARIA: Schlusspunkt

Qualitäts-Management in der Politik

Dtsch Arztebl 2001; 98(40): [88]

Petersen, Johannes

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LNSLNS Standardisierung und Qualitätssicherung sind en vogue, zumindest soweit es die Medizin und die Ärzteschaft betrifft. Hierbei handelt es sich um eine berechtigte Forderung der Allgemeinheit, dem Patienten gemäß dem Eid des Hippokrates nach bestem Wissen und Gewissen zu helfen, seine Gesundheit zu fördern und sein Leben zu erhalten. Die Reparatur – Heilung des Patienten – hat nach den Forderungen der meisten Politiker vollständig, effizient und kostengünstig zu erfolgen.
Zur Sicherstellung dieses Anspruchs wurden detaillierte Aus- und Weiterbildungsverordnungen erlassen, die jeder Arzt, um beruflich tätig sein zu können, berücksichtigen muss. Wie verhält es sich mit der berechtigten Forderung der Bürger nach einer ehrlichen, effizienten, kompetenten und zukunftsweisenden Politik? Schließlich betreibt die Politik Zukunftsplanung, auch die unserer Kinder und Enkel. Die Personalauswahl: Politiker wird man durch Selbstakklamation unter Zuhilfenahme aller Stammtisch- und parteipolitischen Winkelzüge. Eine wissenschaftliche Vorbildung, wie zum Beispiel einwandfreie Kenntnisse der deutschen Sprache oder Beherrschung der bürgerlichen Verhaltensnormen im Umgang mit Mitmenschen, ist nicht erforderlich, scheint beim Durchlaufen der politischen Karriere auch eher hinderlich zu sein. Fachkenntnisse in den politisch zu behandelnden Disziplinen werden nicht gefordert, solange die richtigen oder objektiv falschen Statements des Politikers über die Medien verbreitet werden. Zur Sicherstellung dieses Mechanismus dienen die nach Parteienproporz besetzten Rundfunkräte. Des Weiteren sind Grundkenntnisse in der Disziplin „kreative Bilanzgestaltung“ anzuraten.
Solche Führungskräfte verdienen schon Versorgungsposten in staatsnahen Unternehmen und garantierte Pensionen in Höhe eines mehrfachen durchschnittlichen Angestelltengehaltes nach Ablauf der persönlichen politischen Popularitätshalbwertszeit.
In der Politik gilt die Umkehr der Grundlage aller Wissenschaften: Nicht Handeln auf Grundlage gesicherter Erkentnnisse ist gefragt, sondern Populismus und Opportunismus regieren vor Sach- und Fachverstand. Daher ist im Sinne der Qualitätsverbesserung der Leistungen der Politik eine Aus- und Weiter­bildungs­ordnung für Politiker mit nachzuweisenden Fortbildungsinhalten zu fordern, außerdem eine regelmäßige Überprüfung des Ausbildungsstandes durch neutrale Fachkommissionen, besetzt mit wissenschaftlichen Fachkräften der jeweiligen Disziplin.
Dr. med. Johannes Petersen
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