ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Hausärztliche Versorgung: Optimistisch für die Zukunft

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Hausärztliche Versorgung: Optimistisch für die Zukunft

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2623 / B-2252 / C-2094

Maus, Josef

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LNSLNS Der BDA fordert Weiterbildungsgang „Hausarztmedizin“,
um den künftigen Bedarf einheitlich zu decken.

V or gut drei Jahren orakelte Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kossow unmittelbar vor der Bundestagswahl, „dass eine rot-grüne Koalitionssuppe für die Hausärzte die schmackhafteste sein könnte“. Der Vorsitzende des Berufsverbandes der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) lag mit seiner damaligen Einschätzung aus heutiger Sicht durchaus richtig, denn seither hat sich die Situation der Allgemeinärzte deutlich verbessert. Die Hausärzte haben nun einen eigenen, vergleichsweise höheren Vergütungsanteil, und sie sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig die zentrale Position im Gesundheitswesen einnehmen.
Diese Würdigung der hausärztlichen Funktion ist aber zugleich eine Verpflichtung. Vom Jahr 2006 an soll nur noch der Allgemeinarzt Träger der hausärztlichen Versorgung sein. Das heißt: Die Allgemeinmedizin muss bis zu diesem Zeitpunkt über genügend weitergebildete Ärzte verfügen, um die ihr zugedachte Rolle auch in der Versorgungspraxis ausfüllen zu können.
Doch daran bestehen Zweifel. Vor allem der Berufsverband der Internisten glaubt nicht, dass dies gelingen wird. Auf dem diesjährigen Hausärztetag in Hannover rechnete BDA-Geschäftsführer Robert Festersen zwar vor, dass die Allgemeinmedizin ihren eigenen Nachwuchs auf Jahre hinaus sicherstellen kann. Er räumte aber auch ein, dass der zusätzliche Ersatzbedarf (Tabelle) für die ausscheidenden hausärztlichen Internisten ab dem Jahr 2006 nicht mehr allein von der nachrückenden Generation an Allgemeinärzten kompensiert werden kann. Nach derzeitigem Stand werden jährlich rund 400 Hausärzte fehlen.
Dennoch zeigte sich Festersen zuversichtlich. Er baut darauf, dass sich das Initiativprogramm zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin weiter positiv entwickelt. Mit diesem Programm, angestoßen durch die Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder, werden Weiterbildungsstellen in der Allgemeinmedizin in Krankenhäusern und Praxen mit 2 000 bis 4 000 DM pro Stelle gefördert. Immerhin, bilanziert Festersen, sei es nur durch dieses Anreizsystem gelungen, die Zahl der geförderten Weiterbildungsstellen in den ersten beiden Jahren zu verdoppeln (Grafik).
Allerdings zeigt die Umsetzung des Programms auch Schwächen. Nicht alle Kassenärztlichen Vereinigungen schöpfen die zur Verfügung stehenden Mittel gleichmäßig gut aus, einige KVen haben die subventionierten Stellen geteilt und fördern damit weit mehr, als sie dies nach dem „Stellenschlüssel“ eigentlich könnten. Auch bei den Krankenhäusern gibt es erhebliche Unterschiede: Die Spanne der besetzten Förderstellen reicht von 135 Prozent in Sachsen-Anhalt bis zu 30 Prozent in Berlin.
Der BDA hält es für sinnvoller, die Fördermittel des Programms nach dem zu erwartenden Ersatzbedarf an Allgemeinärzten zu verteilen. Davon würden in erster Linie die neuen Bundesländer profitieren. Sachsen-Anhalt beispielsweise müsste 280 Prozent der jetzigen Stellen haben, um den Bedarf zu decken. Ähnlich hohe Prozentzahlen gelten für Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sowie – mit geringen Abstrichen – für Brandenburg und Thüringen.
Zusammenführung der Fächer
Viel besser wäre das Problem der Bedarfsdeckung in der hausärztlichen Versorgung nach Auffassung des BDA aber über die Weiter­bildungs­ordnung zu lösen. Die Zahl der „nachwachsenden“ Allgemeinärzte und „hausärztlich orientierten“ Internisten zusammengenommen, stellt die hausärztliche Versorgung auch über das Jahr 2006 hinaus sicher. Der BDA plädiert deshalb für eine Zusammenführung der beiden Fächer (Allgemeinmedizin und Allgemeine Innere Medizin) zu einem Gebiet „Hausarztmedizin“. Danach müsste die Allgemeinmedizin als Kernstück des neuen Weiterbildungsganges erhalten bleiben. Im Sinne des so genannten Common-trunk-Modells würden die Schwerpunkte der Inneren Medizin und die Qualifikation zur hausärztlichen Versorgung auf einer gemeinsamen Basis-Weiterbildung aufsetzen. Festersen sagte in Hannover, dass die Überlegungen auch in den ärztlichen Körperschaften bereits erste Zustimmung gefunden hätten. Josef Maus


´Tabelle  CC´
Altersstruktur der Hausärzte und Ersatzbedarf bis 2016
unter über Jährlicher Ersatzbedarf
34 35–39 40–49 50–59 60–65 65 –2006 2006–2016
Allgemeinärzte 671 2 632 11 671 12 081 3 218 349 1 009 1 613
Praktische Ärzte 92 1 521 5 171 4 044 1 274 206
HÄ Internisten 40 794 3 478 4 847 1 843 222 413 485
Gesamt 803 4 974 20 320 20 972 6 335 777 1 422 2 097
Quelle: BDA
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