ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Sexualstraftäter: Unsere Gesellschaft entfernt sich von Ethik

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Sexualstraftäter: Unsere Gesellschaft entfernt sich von Ethik

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2640 / B-2267 / C-2109

Roßner, M.

Zu den Leserbriefen in Heft 36/2001:
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LNSLNS Früher gab es eine ärztliche Ethik, die so weit ging, dass während kriegerischer Auseinandersetzungen Ärzte auch die verletzten Gegner (die vorher vielleicht mehrere Menschen getötet hatten) versorgten. Inzwischen hat sich die Gesellschaft doch von derlei Auffassungen teilweise entfernt. Das ist auch sehr deutlich in den Diskussionen um Menschen zu erkennen, die Sexualstraftaten begangen haben. Nicht alle, aber einige von diesen Menschen haben schwerste seelische Abweichungen oder auch psychische Krankheiten. Als Menschen werden diese in den Diskussionen jedoch nicht mehr bezeichnet, sondern als Sexualtäter, als Sexualtriebtäter, als Triebtäter. Immerhin verbirgt sich hinter diesem Begriff doch noch der Mensch, wenn auch die menschliche Existenz und Problematik mit diesem Begriff verkürzt wird auf einen bestimmten Tatinhalt, als bestünde der betreffende Mensch ausschließlich aus strafrechtlich relevantem sexuellem Handeln. Gewissermaßen als Steigerung gibt es dann noch den Begriff „Sexualmonster“. Der Begriff „Zeitbombe“ schließlich hat mit menschlichem Dasein nichts mehr zu tun . . . Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwo wenigstens eine Apostrophierung des Wortes Zeitbombe erfolgt wäre, wenn es im Hinblick auf bestimmte Menschen verwendet wurde.
Und dann stellt sich die Frage, wie mit Zeitbomben zu verfahren ist. Auf jeden Fall sollte man sie rechtzeitig entdecken. Und dann fachmännisch entschärfen oder irgendwie anders unschädlich machen, eventuell in einem Lager konzentrieren und für immer unter sicherem Verschluss verwahren wegen der permanenten Explosionsgefahr.
Ich behaupte, dass sich unsere Gesellschaft von Ethik entfernt: auch einzelne Ärzte, Psychiater, belegen inzwischen bestimmte Menschen mit dem technischen Begriff Zeitbombe, und eines Tages – so fürchte ich – wird jemand beginnen, technische Mittel einzusetzen, um die Zeitbomben unschädlich zu machen. Habe ich jetzt übertrieben? . . .
Dr. med. M. Roßner, Nordstraße 17 a, 59555 Lippstadt
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