ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Hirntod: Hirntod ist nicht Anästhesie

BRIEFE

Hirntod: Hirntod ist nicht Anästhesie

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2640 / B-2267 / C-2109

Ritz, Hans-Joachim

Zu dem Leserbrief „Briefe haben mir in der Seele wehgetan“ von Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Christoph J. G. Lang in Heft 33/2001, der sich auf die Leserbriefe in Heft 28–29/ 2001 bezog:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Dem Professor und Diplompsychologen Dr. Lang muss nachgesehen werden, dass er den Unterschied zwischen einer Anästhesie und dem Hirntod nicht kennt: Die Anästhesie setzt die gesamte Steuerzentrale Gehirn zeitweise außer Funktion und verhindert so willkürliche und reflexartige Reaktionen auf Schmerzreize. Beim Hirntod ist in der Regel nur ein kleiner, wenn auch wichtiger Teil des Gehirns dauerhaft ausgefallen, die Hirntoten sind aber durchaus in der Lage, ein „subkortikales“ Leben zu führen: Sie bewegen sich, essen und trinken und reagieren auch auf Schmerzreize. Wie diese Reize verarbeitet werden, können wir nicht nachempfinden, sicher ist: Hirntod ist keine Anästhesie, kein Nicht-Fühlen! Nehmen wir den Begriff „Seele“ hinzu, über dessen immense Bedeutung in der abendländischen Tradition Dr. Lang als Diplom-Psychologe besser unterrichtet sein sollte, als sein verzerrtes Bild der „aus dem Cavum oris emanierten Seele“ erkennen lässt. Dieser Begriff ist erst in den letzten 100 bis 200 Jahren von der aufstrebenden Naturwissenschaft zu einem „Verbum non gratum“ erklärt worden und erfährt heute in der Medizin zunehmend eine Renaissance. Können wir sicher ausschließen, dass durch den Körper eine wahrnehmende, lernende und evolvierende Energie oder Kraft wirkt, die das eigentliche Wesen des Menschen ausmacht? Gehen wir davon aus, dass diese Seele nicht vom Körper abgeleitet ist und unabhängig von ihm existiert, dann können wir Anästhesie dadurch erklären, dass die Seele infolge der Anästhetika-Wirkung auf das Steuerorgan Gehirn zeitweilig vom Körper getrennt ist. Beim Hirntod ist diese Trennung augenscheinlich nicht vollständig. Und die Seele kann durchaus leiden! Nochmals herzlichen Dank an die mutige Anästhesistin Dr. Schlemmer, die auf diese weithin unbekannte inhumane Seite der Transplantationsmedizin aufmerksam gemacht hat.
Dr. Hans-Joachim Ritz, Kiepertstraße 15, 30419 Hannover
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema