ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Krankenhäuser – Zukunft: Grundgehalt und variable Zulage

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Krankenhäuser – Zukunft: Grundgehalt und variable Zulage

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2642 / B-2250 / C-2114

Mössner, Joachim

Zu dem Beitrag „Privatliquidati- onsrecht auf der Kippe“ von Dr. rer. pol. Harald Clade in Heft 34–35/ 2001:
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LNSLNS Ihr oben genannter lesenswerter Beitrag veranlasst mich in meiner jetzt 25-jährigen ärztlichen Tätigkeit zu meinem ersten Leserbrief an das DÄ.
Die deutsche ärztliche Selbstverwaltung durch Ärztekammern und kassenärztliche Vereinigungen ist unverändert beispielgebend für die meisten Länder unseres Globus und ist nach meiner Einschätzung als „Westdeutscher“ von der Mehrzahl der ostdeutschen Kollegen nach Wiedererlangung unserer staatlichen Einheit mit Begeisterung übernommen worden. Das US-amerikanische Gesundheitssystem ist wenig nachahmenswert, trotz der überragenden wissenschaftlichen Erfolge dieses Landes. Ich kann mich aber leider des Eindrucks nicht erwehren, dass ad 1) unsere Organisationen auf politische Entscheidungen nur reagieren, statt sich den Herausforderungen der
finanziellen Probleme im Gesundheitswesen zu stellen und mit eigenen Konzepten zu agieren; ad 2) die Bundes­ärzte­kammer bei ihrem Bestreben, das Privatliquidationsrecht für leitende Krankenhausärzte zu erhalten, über die Situation in den neuen Bundesländern auch elf Jahre nach der Einheit offensichtlich wenig informiert zu sein scheint. Privatliquidation ist hier kein „Thema“. Die meisten leitenden Krankenhausärzte tragen äußerst kompetent klinische und ökonomische Verantwortung mit „BAT I Ost“. Ich sehe die Zukunft in einem Grundgehalt, das sich in seiner Höhe nach dem Umfang des zu übernehmenden Verantwortungsbereiches richtet, und einer variablen Leistungszulage. Die/Der leitende Ärztin/Arzt, die/der sich unabhängig von der Krankenkasse des Patienten insbesondere um die schwierigen Fälle kümmert, wird aufgrund Erfahrung Überdiagnostik und unkritische polypragmatische Therapie, zu der jüngere Kollegen aus Unerfahrenheit und Angst vor Fehlern neigen, verhindern. Dies steigert die ökonomische Effizienz und als „Belohnung“ das Einkommen. Am nicht nur wirtschaftlichen Erfolg des Krankenhauses sollten letztlich alle Berufsgruppen vom gesamten ärztlichen-, Pflege- und Verwaltungsbereich finanziell partizipieren. Das derzeitige Festhalten an alten Strukturen vertieft die Einkommenskluft zwischen West und Ost, fördert die Abwanderung leistungsbereiter Kollegen in den „Westen“ und demotiviert Leistungsträger aus dem „Westen“, im „Osten“ Verantwortung zu übernehmen. Die Folgen, insbesondere auch für die ostdeutschen medizinischen Fakultäten, in der wissenschaftlichen Konkurrenz zu bestehen, sind unabsehbar!
Prof. Dr. med. Joachim Mössner, Universitätsklinikum Leipzig, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Philipp-Rosenthal-Straße 27, 04103 Leipzig
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