SPEKTRUM: Leserbriefe

AiP: Gespenstisch

Schierholz, Michael

Zur Situation der Ärzte im Praktikum
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LNSLNS Mit Erschrecken habe ich den Erfahrungsbericht von Frau Klinkhammer zur positiven Bilanz des AiP in Heft 14/1996 zur Kenntnis nehmen müssen.
Nach der Summe der Erfahrungen meiner jungen Kollegen und Kolleginnen wird dieser Bericht sicherlich ein singuläres Ereignis bleiben. Wenn solch ein nicht repräsentativer Bericht schon im die deutsche Ärzteschaft repräsentierenden Ärzteblatt publiziert wird, müssen gemäß den Ansprüchen, die an dieses Organ gestellt werden, doch einige repräsentative Erfahrungsberichte veröffentlicht werden.
Nahezu gespenstisch erschien der Kommentar von Herrn Weise ("Zu hohe Ansprüche") in Heft 20/1996 zu der verweichlichten jungen Medizinergeneration. Gespenstisch nicht etwa deswegen, weil er Blut, Schweiß, Tränen und ein gehöriges Maß an Selbstausbeutung fordert, sondern weil er in der Gnade seiner gehobenen Funktion ökonomisch gesehen schlichtweg Unreflektiertes und Falsches wiedergibt. Herr Weise war mit seinem 1 000-DM-Gehalt (wahrscheinlich netto[!], dieser dezente Unterschied hat Rudolf Scharping schon das Genick gebrochen) während seiner Medizinalassistentenzeit durchaus zufrieden – das soll er auch sein! Ihm wurde vielleicht noch nicht bekannt, daß der Medizinalassistent in der Zwischenzeit zur gehaltlosen und rechtlosen Billigkraft (PJler) permutierte.
Weiterhin entspricht ein Gehalt dieser Größenordnung (1 000 DM netto) nach über 20 Jahren Kosten- und Inflationsentwicklung heutzutage einem Vielfachen davon. Um so bedauerlicher erscheint es, daß ein Mediziner in leitender Position solche ökonomischen Grundkenntnisse entweder negiert oder nicht besitzt.
Mit solcherart dargestellter Negierung ökonomischer Grundkenntnisse wird unter dem momentan herrschenden Kostendruck nur folgendes geschehen:
l Die streng hierarchisch gegliederte Ärzteschaft kann aufgrund des funktionalen Denkens diesen ungeheuren Druck lediglich ungemildert an die abhängigste, das heißt jüngste Medizinerpopulation weitergeben, ohne daß an der eigentlichen Struktur, welche enorme Rationalisierungspotentiale aufzeigt, gerüttelt wird.
l Mit rigidem Denken und rigiden Strukturen wird man in Zukunft den Anforderungen an ein modernes Krankenhausmanagement wie TQM (Total quality management) nicht gerecht werden.
TQM heißt nach Leitlinien der "Deutschen Training": l Verbesserung der Führungs- und Unternehmenskultur (Corporate-Identity-Ansatz);
l angstfreie Kommunikation und gegenseitige Wertschätzung;
l Glaubwürdigkeit und Fairneß unter allen Berufsgruppen und Hierarchieebenen.
Diese Anforderungen sind . . . für junge Kollegen noch nicht einmal annäherungsweise umgesetzt . . . Dr. Dr. Jörg Michael Schierholz, Hopfenbergstraße 7, 34587 Felsberg
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