ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Renale Anämie: Neues Erythropoetin vereinfacht Therapie

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Renale Anämie: Neues Erythropoetin vereinfacht Therapie

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2667 / B-2275 / C-2021

Kreutzberg, Karin

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LNSLNS Seit Juni ist in Deutschland ein neues, die Erythropoese stimulierendes Protein (NESP) zur Therapie der renalen Anämie bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz zugelassen. Es hat im Vergleich zum rekombinanten humanen Erythropoetin eine deutlich längere Wirkzeit und muss daher seltener appliziert werden. Durch geringe Modifikation der Molekülstruktur von rekombinantem Erythropoetin (r-HuEPO) – der Addition von zwei Kohlehydratketten – konnte die Halbwertszeit von NESP (Aranesp®, Amgen) um das Zwei- bis Dreifache verlängert werden, berichtete Prof. Jürgen Bommer (Heidelberg) bei einem Pressegespräch in München.
Dialyse-Patienten müssen anstatt wie bisher dreimal
pro Woche eine Spritze r-HuEPO in der Regel nur einmal wöchentlich eine subkutane oder intravenöse NESP-Injektion erhalten. Von dieser selteneren Applikation profitieren vor allem ambulante Patienten mit Peritonealdialyse, aber auch solche, die aufgrund von Tumoren oder nach Knochenmarktransplantation eine Anämie entwickelt haben.
Injektion im Abstand von vierzehn Tagen reicht aus
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass NESP bei geringerer Injektionsfrequenz eine renale Anämie genauso wirksam und sicher korrigieren kann wie r-HuEPO. Die Hämoglobinwerte blieben bei 97 Prozent der Patienten stabil, wenn sie von einer zwei- bis dreimal wöchentlichen r-HuEPO-Therapie auf eine einmalige NESP-Gabe pro Woche umgestellt wurden.
Bei 95 Prozent der Patienten, die bisher einmal wöchentlich r-HuEPO benötigt hatten, reichte eine NESP-Spritze alle 14 Tage aus, um den Hämoglobinwert konstant zu halten. Die Compliance der Patienten stieg.
Eine Therapie mit Erythropoetin – gleichgültig ob in Form von r-HuEPO oder NESP – verbessert die Lebensqualität der anämischen Patienten deutlich. Sie fühlen sich leistungsfähiger, ermüden weniger rasch, schlafen besser und essen wieder mit größerem Appetit. Außerdem haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass sich eine schon bestehende Herzhypertrophie zurückbildet. Eine NESP-Therapie hat darüber hinaus den Vorteil, dass seltener Blutbildkontrollen notwendig sind, und erweist sich für das Dialysepersonal als arbeitssparend.
Das Nebenwirkungsprofil ist bei beiden Erythropoetinpräparationen ähnlich. Die häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen sind Blutdruckanstieg und Shuntthrombose am Gefäßzugang. Allergische Reaktionen oder eine Antikörperbildung wurden bei den bisher über 5 000
mit NESP behandelten Patienten nicht beobachtet. Wie Priv.-Doz. Winfried Kösters (Villingen-Schwenningen) berichtete, bereitete die Umstellung von r-HuEPO auf NESP in seiner Klinik keine Schwierigkeiten.
Ambulante neu eingestellte Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz lernten problemlos, sich NESP zu Hause subkutan zu spritzen. Die Kosten für eine Behandlung mit r-HuEPO und NESP sind unter Berücksichtigung der geringeren Applikationsfrequenz von NESP in etwa gleich. Dr. med. Karin Kreutzberg
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