ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Inhalationstherapie: Neue Aerosole erreichen die kleinsten Atemwege

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Inhalationstherapie: Neue Aerosole erreichen die kleinsten Atemwege

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2668 / B-2276 / C-2022

Gabler-Sandberger, E.

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LNSLNS Bis vor kurzem schien das Ziel, Arzneimittel in so feine Partikel zu bringen, dass sie in den peripheren Atemwegen deponiert werden, unerreichbar. Im Zuge der Neuentwicklung pharmazeutischer Zubereitungen der bisher als Dosieraerosol verfügbaren Standardmedikamente zur Behandlung des Asthma bronchiale konnte beispielsweise für das inhalative Kortikoid Beclamethason-Dipropionat als Flüssig-Aerosol eine Teilchengröße von durchschnittlich 1,1 µm erreicht werden – und damit die Deposition im Rachenraum entscheidend vermindert, aber in den kleinen Atemwegen erheblich gesteigert werden.
Diese Neuentwicklung hat nicht nur zur Folge, dass die Dosierung des Kortikoids reduziert werden konnte. Darüber hinaus ergeben sich Perspektiven, wirksamer als bisher den entzündlichen Prozess in den Atemwegen unter Kontrolle zu halten und die Prognose des Asthma bronchiale zu verbessern.
Zunehmend bestätigt sich, was aufgrund der morphologischen Studien zum entzündlichen Infiltrat der Atemwege bei Asthma bronchiale in den letzten Jahren vermutet wurde: Die kleinen Atemwege mit einem Durchmesser von zwei Millimetern und darunter sind vor allem bei den schwereren Formen des Asthma bronchiale mit nächtlichen Atemnotanfällen besonders stark betroffen.
Prof. Klaus Rabe (Leiden) betonte die Notwendigkeit einer effektiven antiinflammatorischen Therapie beim Asthma bronchiale. Die pathologisch-anatomischen Veränderungen mit den Spätfolgen einer Fibrosierung und irreversiblen Obstruktion der Lungenperipherie und Störung des Gasaustausches werden auf die langfristig schwelenden Entzündungen in den Atemwegen zurückgeführt. Der Prozess beginnt häufig bereits in der Kindheit; er kann auch ohne eindeutige Manifestation eines Asthma bronchiale verlaufen.
Die Verteilung der am allergischen Entzündungsprozess beteiligten eosinophilen Granulozyten, Makrophagen, Mastzellen, T-Zellen und auch neutrophilen Granulozyten in den Biopsien aus verschiedenen Lungenabschnitten ist unterschiedlich. In Fraktionen aus bronchoalveolärer Flüssigkeit kann sich die Zusammensetzung des entzündlichen Infiltrates teilweise reflektieren. Provoziertes Sputum, das am ehesten für Routineuntersuchungen eingesetzt werden kann, enthält nach Prof. Helgo Magnussen (Großhansdorf) vor allem Material aus den großen Atemwegen.
Als Parameter für das entzündliche Geschehen wird NO, das von den Entzündungszellen gebildet wird,
in der Ausatmungsluft bestimmt. Dabei kommt es darauf an, durch entsprechende Atemmanöver relevante Proben zu gewinnen. Der Parameter NO könnte nach Magnussen in Zukunft Bedeutung für das Monitoring der antiinflammatorischen Therapie erlangen.
Umweltfreundlich
Prof. Dieter Köhler (Schmallenberg) kam zu dem Ergebnis, dass der Bereich der achten bis 14. Bronchialgeneration – die „kleinen Atemwege“ –, der für die Entstehung des erhöhten Atemwegwiderstandes hauptverantwortlich ist, von der inhalativen Therapie erreicht werden sollte. Bei schwerer Obstruktion ist hierfür eine Partikelgröße von
2 µm Durchmesser erforderlich, die über ein langsames, tiefes Atemmanöver dorthin gebracht werden kann. Voraussetzungen hierfür können die konventionellen Pulversysteme nicht bieten, vielmehr bedarf es eines Dosieraerosols, dessen Aerosolgröße atemflussunabhängig ist.
Diesen Anforderungen entspricht das Lösungsaerosol Ventolair® (3M Medica), wobei der Wirkstoff Beclomethason Dipropionat (BDP) in einem neuen umweltfreundlichen Treibgas HFA 134 a gelöst wird. Die Partikel mit der durchschnittlichen Größe von 1 µm entstehen erst bei der Freisetzung des Treibgases durch seine Verdampfung. HFA 134 a BDP wird zu etwa 60 Prozent in der Lunge deponiert. Im Gegensatz dazu haben die herkömmlichen Dosieraerosole, in denen die Partikel bereits in Suspension vorliegen, wie auch die Pulversysteme eine Partikelgröße von 4 µm.
Um zu verhindern, dass ein wesentlicher Teil des inhalierten Medikamentes wieder abgeatmet wird, muss nach Inhalation von Ventolair mindestens fünf Sekunden lang der Atem angehalten werden. In Depositionsstudien konnte nach Prof. Heinrich Worth (Fürth) belegt werden, dass BDP nach Inhalation aus dem Lösungsaerosol bis in die kleinen Atemwege gelangt. Im Vergleich zu dem konventionellen FCKW-BDP wurde in Studien zur Dosis-Wirk-Beziehung ein Wirkverhältnis von 1 : 2,5 belegt.
Dr. med. E. Gabler-Sandberger
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