ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001SSRI Paroxetin: Neues Präparat für vier Indikationen zugelassen

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SSRI Paroxetin: Neues Präparat für vier Indikationen zugelassen

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): A-2669 / B-2277 / C-2023

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Der Wirkstoff Paroxetin verursacht faktisch keine anticholinergen Effekte, hat keine kardiotoxischen Eigenschaften, führt nicht zu einer Zunahme des Körpergewichtes – und ist auch bei Überdosierungen deutlich sicherer als trizyklische Antidepressiva. So das Resümee der Einführungs-Fachpressekonferenz der Desitin GmbH für das Präparat Euplix® in München.
Die Wirksamkeit von Paroxetin in der Behandlung depressiver Erkrankungen ist sowohl für die Akuttherapie als auch für die Langzeittherapie erwiesen. Wie andere SSRIs (Selective Serotonin Reuptake Inhibitors) ist die Substanz auch in Fällen schwerer Depressionen und bei Depressionen mit assoziierter Angstsymptomatik wirksam und muss in der Regel nur einmal täglich eingenommen werden. SSRI vermitteln ihren antidepressiven Effekt über die Wiederaufnahmehemmung des Neurotransmitters 5-HT (Serotonin).
Panikstörungen
Aufgrund von Ergebnissen kontrollierter Studien mit Paroxetin wurde Euplix für die vier Indikationen Depression, Zwang, Panik und soziale Phobie zugelassen. Damit sind die Hauptanwendungsgebiete: Episoden einer Major Depression aller Schweregrade, Zwangsstörungen, Panikstörungen mit oder ohne Agoraphobie sowie soziale Phobien. Prof. Eckart Rüther (Göttingen) nannte auch die immer häufiger werdenden körperlichen Symptome bei psychischen Erkrankungen. Es handelt sich dabei um psychosoziale oder innere Konflikte, die sich in vielfälti-
gen körperlichen Beschwerden zeigen können. Nicht wenige Ärzte suchen in solchen Fällen vergebens nur nach körperlichen Ursachen. Die Gabe von Paroxetin sei für diese Patienten von großem Nutzen, unterstrich Rüther.
Prof. Jörg Walden (Freiburg) berichtete über Akut- und Langzeitstudien mit Paroxetin. Zwei Langzeitstudien über ein Jahr belegen deut-
lich die phasenprophylaktische Wirksamkeit der Substanz. In der Placebogruppe erlitten mehr Patienten einen Rückfall in die Depression als in der Verumgruppe. Als besonders sinnvoll erwiesen sich der Einsatz von SSRI bei älteren Patienten mit Depressionen, da diese Medikamente im Gegensatz zu trizyklischen Antidepressiva deutlich weniger unerwünschte Arzneimittelwirkungen provozieren und zu keinen kognitiven Einbußen führen. Paroxetin wirkt bei Depressionen schnell und effektiv in der Dosierung von einmal täglich 20 mg.
Paroxetin wurde in drei großen Studien auch in der Indikation Panikstörung erfolgreich getestet. In einer Studie wurden mehr als 85 Prozent der Patienten von ihren Panikattacken durch die tägliche Gabe von 40 mg Paroxetin vollkommen befreit. Paroxetin ist der einzige SSRI, der bei Panikstörungen zugelassen ist.
Bei Zwangsstörungen ist Paroxetin in der täglichen Dosis von 40 mg ebenso wirksam wie Clomipramin, das jedoch deutlich mehr unerwünschte Effekte provoziert.
Paroxetin ist auch der einzige bei sozialer Phobie zugelassene SSRI. Diese mit sieben bis 13 Prozent in der Bevölkerung häufige Störung spricht sehr gut auf die tägliche Gabe von 20 mg Paroxetin an. Siegfried Hoc
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