ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 5/2001Community Online Services and Mobile Solutions (COSMOS): Handy-Selbsthilfegruppen für Krebskranke

Supplement: Praxis Computer

Community Online Services and Mobile Solutions (COSMOS): Handy-Selbsthilfegruppen für Krebskranke

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): [28]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Ein Forschungsprojekt
entwickelt und erprobt Anwendungsmöglichkeiten künftiger mobiler Informationssysteme für interaktive Communities. Ein Testfeld ist dabei der Gesundheitsbereich.
Das im Mai 2001 gestartete Forschungsprojekt COSMOS (erreichbar unter der Web-Adresse www.cosmos-community.org) soll gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es geht um die Nutzung mobiler Technologien für interaktive mobile Gemeinschaften („Communities“) und um die Entwicklung neuer situationsbezogener Mehrwertdienste und Servicemodelle. Zwei Pilotfelder – Krebspatienten und Mitglieder der Lifestyle Community – werden dabei untersucht. Ansatz des Projektes ist das Kommunikationsbedürfnis des Menschen in jeder Lebenssituation, zeitlich, örtlich („anytime/anyplace“) und inhaltlich möglichst unbeschränkt und einfach realisierbar. Dieses Bedürfnis teilt der jugendliche Partygänger der SMS-Generation, der sich spontan in seiner Freizeit verabreden will, mit dem Krebskranken, der beispielsweise Informationen zu einer neuen Therapie sucht oder sich mit seiner Selbsthilfegruppe in Kontakt setzen will.
Vor allem aus zwei Gründen erscheinen Krebspatienten als Probanden für diesen Pilotversuch prädestiniert: Sie haben aufgrund der existentiellen Bedrohung durch ihre Kankheit ein großes Informationsbedürfnis, und sie überwinden hohe Hemmschwellen auch im Umgang mit neuen Technologien, um an spezifische Informationen zu ihrem Krankheitsbild zu gelangen. Das technische Equipment für die vernetzte Community innerhalb des Projekts umfasst neben dem Handy ein noch zu entwickelndes internetbasiertes Community-Portal. Darüber hinaus sollen neueste Mobilfunkstandards erprobt werden, die auch multimediale Dienste, etwa die Übertragung von Bild- und Videodaten, ermöglichen. Hierzu gehört zunächst GPRS (General Packet Radio Service), später auch UMTS (Universal Mobile Telecommunication Service).
Das Forschungsvorhaben, an dem wissenschaftliche und onkologische Einrichtungen sowie Partner aus der Industrie beteiligt sind (siehe Kasten, Seite 29), hat drei Teilprojekte definiert: „Lifestyle Community“, „Healthcare Community“ und „Infrastruktur“. Darüber hinaus gibt es ein gemeinsames Learning Center, das die Ergebnisse bündeln und eine Wissensbasis für den internen und externen Wissenstransfer aufbauen soll.
Onkologie-Community
Im Schwerpunkt Healthcare sollen Krebspatienten in Baden-Württemberg zu einer „Onkologie-Community“ zusammengeschlossen werden. Koordiniert wird das Teilprojekt am Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität Hohenheim. Der Bedarf für ein vernetztes Community-Angebot in diesem Bereich ist unumstritten: Zwar organisieren sich nur fünf Prozent aller Tumorpatienten in einer Selbsthilfegruppe. Dennoch kann zum Beispiel der Krebsinformationsdienst (KID), einer der Projektpartner, der über eine Info-Hotline Beratung und Lebenshilfe anbietet, die 500 bis 600 Anrufe täglich nicht bewältigen. Eine „Onkologie-Community“ könnte auch die 95 Prozent der Patienten integrieren, die nicht in feste „stationäre“ Selbsthilfegruppen eingebunden sind beziehungsweise dies auch nicht wollen. Patienten, die sich in einer Langzeittherapie im Krankenhaus befinden, erhalten leichter Zugang zu ihrem gewohnten sozialen Umfeld. Sie könnten dieses zugleich erweitern durch „virtuelle“ Teilhabe an einer Gemeinschaft von Patienten
mit ähnlichen Problemen und dabei Ängste und Isolation abbauen.
Über zunächst 150 mobile Endgeräte sollen sich die Mitglieder der Community jederzeit und an jedem Ort austauschen und qualitätsgesicherte Informationen abrufen können. Geplant ist der Aufbau zweier Onkologie-Pilotgruppen: Begonnen wird in Stuttgart mit einer vom Onkologischen Schwerpunkt Stuttgart e. V. betreuten Gruppe. Eine Kontrollgruppe soll später in Tübingen entstehen, betreut vom dortigen Tumorzentrum.
Zurzeit werden bestehende Selbsthilfegruppen und Patientenbedarfe auf Basis von Interviews analysiert, um daraus Interaktionsmuster, relevante Informationsinhalte und Anwendungen für diese Zielgruppe zu erschließen und Möglichkeiten der Technologieunterstützung zu ermitteln. Im zweiten Arbeitsschritt werden daraus Anforderungen an die Informations- und Interaktionsdienste entwickelt. So muss beispielsweise eine geeignete Benutzeroberfläche für die Recherche in Datenbanken erarbeitet werden. Für die Interaktionsdienste müssen Funktionalitäten wie moderierte und nichtmoderierte Chats, Experteninterviews und „1:1-Kommunikation“ eingebunden werden. Letztere beinhaltet zum Beispiel, dass ein Patient ein persönliches Profil anlegt, innerhalb des Systems freigibt und im Gegenzug über das System geeignete Gespächspartner finden kann.
Geplant ist, bis zum Frühsommer 2002 eine Internet-Plattform für die Onkologie-Community in Stuttgart fertigzustellen, die Ende 2002 – sofern die UMTS-Infrastruktur bis zu diesem Zeitpunkt verfügbar ist – auch für mobile Endgeräte erreichbar sein soll.
Das Forschungsprojekt ist auf vier Jahre befristet und wird 9,6 Mio. DM kosten. Mit 4,6 Mio. DM beteiligt sich dabei das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen seines Programms „Wissensintensive Dienstleistungen“, die restliche Summe investieren die Firmenpartner.
Heike E. Krüger-Brand
Informationen: Universität Hohenheim, Institut für Wirtschaftsinformatik, Jan Marco Leimeister, 70593 Stuttgart, Telefon: 07 11/4 59-37 06, E-Mail: leimeister@uni-hohenheim.de

Projektpartner
Universität Hohenheim, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik
Technische Universität München, Lehrstuhl für Allgemeine und Industrielle Betriebswirtschaftslehre, Arbeitsgruppe Mobile Verteilte Systeme, Lehrstuhl für Angewandte Informatik und Kooperative Systeme
Ericsson AG
Viag Interkom
Cassiopeia AG
AOK Baden-Württemberg
Tumorzentrum Tübingen
Onkologischer Schwerpunkt Stuttgart e. V.
Krebsinformationsdienst (KID) im Deutschen Krebsforschungszentrum
Dr. Sonje Websonsult GmbH
Agentur für interaktive Kommunikation und Markendialog GmbH (Argonauten)
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