ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2001Swissair: Glanz und Elend

VARIA: Schlusspunkt

Swissair: Glanz und Elend

Dtsch Arztebl 2001; 98(41): [76]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Passagiere der Swissair fühlten sich Anfang Oktober unversehens nicht mehr gut aufgehoben. Die Flugzeuge der schweizerischen Airline wollten einfach nicht mehr abheben. Völlig überraschend für die meisten kam die Nachricht von der bevorstehenden Pleite. Da saßen sie also, die Leute, die gerne ein paar Mark mehr ausgeben, um mit einer Gesellschaft zu fliegen, die der Nimbus der Exklusivität umgibt. Na ja, umgab, so schnell kann es manchmal gehen.
Für viele unfassbar, ein Renommiercarrier steht also vor dem Aus. Damit wir uns richtig verstehen: Dieses Drama hat ziemlich wenig bis nichts mit den schrecklichen Ereignissen in New York und Washington zu tun, sondern ist schlichtes Ergebnis einer jahrelangen Misswirtschaft und Staatskungelei. Ähnliches gilt – am Rande bemerkt – für die belgische Sabena.
Passagiere am Boden ginge ja noch. Aber so mancher Anleger sitzt im Keller und weiß es aber gar nicht. Besitzer von Swissair-Bonds müssen nämlich ziemlich um
ihr Geld bangen. Anleihen der schweizerischen Fluggesellschaft liegen, wen wundert ’s, haufenweise speziell
in schweizerischen und auch
luxemburgischen Wertpapierdepots, finden sich vereinzelt aber auch hierzulande
wieder.
Insgesamt 13 Anleihen im Gesamtwert von 4,3 Milliarden Schweizer Franken hat die Swissair unter die Leute gebracht, das ist also eine ganze Menge. Der Kurs der Anleihen notiert derzeit um die 20 Prozent. Das ist, wenn eine Rückzahlung von 100 auf der Urkunde steht, natürlich ein Fiasko für jeden Anleger. Und, es kommt ja noch der Umstand hinzu, dass die Anleihe nicht von Spekulanten gekauft wurde, sondern von der eher besonnenen Spezies unter den Börsenmenschen.
Es sieht aber danach aus, als seien die Chancen für einen Totalverlust ganz gut. Das gilt auch für den Fall, dass die Swissair namentlich weiterfliegt, was ja im Moment nicht so ganz geklärt ist. Auf jeden Fall hat die Crossair einen großen Teil der Swissair-Aktiva übernommen, nicht jedoch deren Schulden.
Der Fall Swissair steht auch dafür, wie gefährlich Käufer von vermeintlich sicheren Industrieanleihen leben. Inhaber von Fokker-Bonds erinnern sich noch gut an den Irrglauben, die Konzernmutter Daimler würde Fokker nicht den Bach runtergehen lassen.
Da lobe ich mir doch
eher Hypothekenpfandbriefe und Bundesschatzbriefe sowie Staatsobligationen. Solche Papiere sind zwar nicht so glanzvoll, aber ein elender Ausgang ist gewiss nicht zu
erwarten.
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