ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2001Sachsen: Zu Gast bei August dem Starken

Supplement: Reisemagazin

Sachsen: Zu Gast bei August dem Starken

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): [8]

Sturmhoebel, Elke

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LNSLNS Die Dresdner konnten sich von der Gegend im Südosten ihrer Residenzstadt wenig vorstellen. Sie wussten nur so viel, dass die sächsischen Kurfürsten in den dunklen Wäldern zur Jagd gingen und dass der Sandstein von dort kommt. Zwei Schweizer Maler, die 1766 an die Dresdner Kunstakademie berufen worden waren, wollten dieses Ge-
heimis ergründen. Sie schnürten die Wanderstiefel, packten Proviant und Skizzenblock in den Ranzen und marschierten los. Die Eidgenossen waren begeistert von den bizarren Sandsteinformationen. Die Steilwände, Schluchten und Tafelberge an den Ufern der Elbe erinnerten die Künstler an ihre Heimat. Der Name „Sächsische Schweiz“ war geboren.
Sächsische Schweiz
Weitere Maler ließen sich blik-
ken und von der Romantik der unberührten Natur inspirieren, allen voran Caspar David Fried-
rich. Inzwischen ist die Sächsische Schweiz kein verborgener Winkel mehr. Die einst unbezwingbare Festung Königstein, in der viele Persönlichkeiten der Geschichte einsaßen, wie Bakunin, Bebel und Böttger, der Erfinder des Meißner Porzellans, wurde von Besuchern erobert. Zum Basteifelsen, der berühmtesten Formation des Gebirges, rücken Busladungen voller Neugieriger an. Den Elbblick von dem 190 Meter hohen Plateau oberhalb von Rathen will niemand versäumen. Wenn die Freilichtspiele auf der Felsenbühne Rathen aufgeführt werden, schallen die Stimmen Winnetous oder des Freischütz' bis zur Bastei hinauf.
Rund 100 Kilometer Wanderwege durchkreuzen das Gebiet, die mehr als 1 000 Felstürme locken zu Gipfelstürmen. Das Elbsandsteingebirge ist ein Mekka der Felskletterer. Das „Freeclimbing“ wurde erstmalig hier praktiziert. Haken, Steigeisen oder Felspickel im empfindlichen Sandstein sind verpönt. Kletterkurse verhelfen Einsteigern zu sicherem Tritt und Fingerspitzengefühl.
Auch Schwarzstörche füh-
len sich im Sandsteinge-
birge heimisch, Wanderfal-
ken bauen in unzugänglichen Felsklüften ihre Horste. Seit 1991 ist ein kleiner Teil der Sächsischen Schweiz Nationalpark.
Heute Nationalpark
Pirna, südöstlich von Dresden, ist das Tor zur Sächsischen Schweiz. Die Stadt blieb von den Zerstörungen des Krieges weitgehend verschont. Daher stehen noch die stolzen Gebäude aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock. In den letzten Jahren wurden sie restauriert. In einem der schönsten Bürgerhäuser wohnte Mitte des 16. Jahrhunderts der Baumeister Wolf Blechschmidt, der sein Können in Pirna einfließen ließ. Heute beherbergt das Blechschmidthaus in der Niederen Burgstraße ein Romantikhotel.
August der Starke, der Kurfürst von Sachsen, war so begeistert von Pirna, dass er 1753 seinen Hofmaler Canaletto dorthin schickte. Elf Gemälde schuf der Venezianer vor Ort. Wer in der Dresdner Gemäldegalerie den „Marktplatz zu Pirna“ betrachtet, wird feststellen, dass sich am Originalschauplatz nicht viel verändert hat. Die Gebäude stehen alle noch. St. Marien, die spät-
gotische dreischiffige Hal-
lenkirche mit ihren filigra-
nen Stern- und Netzgewölben und der original erhaltenen Ausmalung, prägt das Stadtbild.
Der Elbsandstein ist heute Gold wert. Viele Gebäude aus diesem Material sind weltberühmt geworden, und Dresden ist voll davon. Zwinger, Semperoper, Residenzschloss und Kathedrale sind Besuchermagneten. Auch die Brühlschen Terrassen an der Elbe, wegen der schönen Aussicht „Balkon Europas“ genannt, stehen auf Sandstein. Die Flotte der sächsischen Dampfschifffahrt, die davor vertäut wurde, unternimmt Ausflüge nach Meißen und in die Sächsische Schweiz. Wenn die Frauenkirche mit ihrer steinernen Kuppel im Jahr 2006, zur 800-Jahr-Feier der Stadt, wieder aufgebaut sein wird und die letzten Baukräne verschwunden sind, wird das Elbflorenz wieder auferstanden sein, als hätte es die Bombennächte kurz vor Kriegsende nicht gegeben.
Auf den Spuren des Barockfürsten
August der Starke, der von 1694 bis 1733 das Kurfürstentum Sachsen regierte, ist verantwortlich für Dresdens barocke Pracht. Unter seiner Regentschaft wurde die Stadt zu einem Zentrum von Kunst und Kultur in Europa. Der Zwinger verschlang ein Vermögen und diente seinen repräsentativen Ansprüchen. Das Taschenbergpalais neben der Residenz ließ er für seine Geliebte, Gräfin Cosel, errichten. Die livrierten Diener der Cosel werden von geschultem Hotelpersonal ersetzt. Seit einigen Jahren ist das Palais eine Kempinski-Nobelherberge. Auch Schloss Pillnitz schenkte der Fürst seiner Lieblingsmätresse. In den Pagodendächern und Fassadenmalereien spiegelt sich die damalige Chinamode wider. Elke Sturmhoebel

Reise-Tipps: Unterkunft: Im erwähnten Romantik-Hotel „Deutsches Haus“ in Pirna kostet das Doppelzimmer zwischen 160 und 183 DM, im Dresdner Hotel „Pattis“ zwischen 240 und 320 DM.
Infos: Romantik Hotels & Restaurants Interna-
tional, Lyoner Stern/Hahnstraße 70, 60528 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/66 12 34-0, Fax: 0 69/
66 12 34-56, E-Mail: info@romantik.de, Internet: www.romantikhotels.com
Auskunft: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH, Bautzner Straße 45–47, 01099 Dresden, Telefon: 03 51/49 17 00, Fax: 03 51/ 4 96 93 06, Internet: www.sachsen-tour.de
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