ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Erbliche Krebsdisposition: Wie effektiv ist die Früherkennung?

AKTUELL: Akut

Erbliche Krebsdisposition: Wie effektiv ist die Früherkennung?

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2681 / B-2305 / C-2141

Vetter, Christine

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LNSLNS Bei verschiedenen Tumoren wurden in den vergangenen Jahren Risikogene entdeckt, die auf eine erhöhte Karzinomgefahr hinweisen. Damit ist es via Gentests möglich geworden, in Risikofamilien Personen mit hohem Tumorrisiko aufzuspüren. Dies gilt speziell für das Mamma- und das Kolonkarzinom, den häufigsten erblich bedingten Tumoren. „Nun muss es darum gehen, entsprechende Früherkennungsprogramme zu etablieren“, forderte Prof. Peter Propping (Institut für Humangenetik, Universität Bonn) bei einer Tagung der Deutschen Krebshilfe in Bonn. Allerdings fehlten standardisierte und evidenzbasierte Untersuchungsprogramme zum Screening. Risikopersonen sollten deshalb in spezialisierten Zentren betreut werden.

Für das Mammakarzinom wurde der flächendeckende Aufbau solcher Zentren im Rahmen des Verbundprojektes „Familiärer Brust- und Eierstockkrebs“ von der Deutschen Krebshilfe seit 1996 gefördert. Sie befinden sich in Bonn, Berlin, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt, Heidelberg, Kiel, Leipzig, München, Münster, Ulm und Würzburg. Rat suchenden Frauen kann damit praktisch bundesweit geholfen werden – gegebenenfalls auch mittels Gentest. „Diese Tests sind in rund 40 Prozent der Fälle negativ. Sie dienen der Beruhigung für die Mitglieder in den Risikofamilien“, gab Propping zu bedenken. Bei Personen mit positivem Befund sowie all jenen, die den Gentest ablehnen, müsse durch engmaschige Kontrolluntersuchungen eine Früherkennung gewährleistet werden.

Dieser Anspruch ist hoch und derzeit kaum zu realisieren, weil entsprechende Untersuchungsverfahren noch fehlen. Zwar gibt es beispielsweise beim Mammakarzinom den Ultraschall und die Mammographie, zur Früherkennung bei Risikopersonen reicht dies aber nicht aus. Nach Ansicht der in Bonn versammelten Experten sind neue bildgebende Verfahren erforderlich, um die Diagnose frühzeitiger zu sichern. Entsprechend evaluiert werden müssten die Kernspintomographie und der hochauflösende Ultraschall. Außerdem sollten klare Kriterien erarbeitet werden, in welchen Zeitintervallen welche Untersuchung indiziert ist und bei welchen Befunden eine Probebiopsie notwendig wird. Christine Vetter
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