ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2001Andalusien/Spanien: Folklore und Geruhsamkeit

Supplement: Reisemagazin

Andalusien/Spanien: Folklore und Geruhsamkeit

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): [16]

Klöcker, Harald

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LNSLNS E s kann im Winter in den Gebirgsregionen Andalusiens sehr kalt werden, in den Gipfellagen pfeift der Wind oder schneit es sogar. Doch was sich nun in den Küstenregionen der Provinzen Almería, Granada oder Málaga als Winter präsentiert, ist aus der Sicht von Mittel- oder Nordeuropäern kaum der Rede wert. Das ist doch wohl eher ein munterer Vorfrühling mit dann und wann etwas heftigen Winden und aufgepeitschter See. Aber die Temperaturen sind mild, oft scheint die Sonne. Dies ist die ideale Jahreszeit für Ausflüge und Besichtigungen, für lange Spaziergänge am Strand.
Im Jahr 1502 – so heißt es in der Überlieferung – wurde am Strand von Torre García, etwa fünfzehn Kilometer östlich der Provinzhauptstadt Almería gelegen, ein gotisches Madonnenbild angetrieben. Das Bildnis dieser fortan als Virgen del Mar (Muttergottes des Meeres) bezeichneten Madonna wurde nach Almería in die Kirche Santo Domingo gebracht und dort ausgestellt. Die Virgen del Mar wurde zur Schutzheiligen der Stadt erklärt. Einem alten Brauch folgend, wird alljährlich am ersten Sonntag im Januar die Muttergottesstatue aus der Santo-Domingo-Kirche in einer feierlichen Prozession an den Strand von Torre García gebracht, um an das überlieferte Ereignis zu erinnern.
Gegen neun Uhr setzt sich die
Prozession vor der Kirche an der Plaza
de la Virgen del Mar in Bewegung.
Hunderte von Gläubigen begleiten
die blumengeschmückte Madonna. Andere Festgäste haben sich bereits in Torre García eingefunden. Hier werden Stände und Bühnen für das Volksfest aufgebaut. Gegen 11.30 Uhr erreicht die Romería unter dem Donner von Böllerschüssen die kleine Kapelle, die zu Ehren der Virgen del Mar in Torre García errichtet worden ist. Das farbenprächtig geschmückte Bildnis der Muttergottes wird feierlich in die
Kapelle getragen. Im Anschluss daran findet ein Gottesdienst statt.
Naturpark Cabo de Gata-Nijar
Torre García mit der kleinen Kapelle liegt bereits auf dem Territorium des
Naturparks Cabo de Gata-Nijar, der sich weiter nach Nord-
osten hin an der Küste entlangzieht und einen Ausflug lohnt. Der Besucher erlebt hier eine vulkanische Halbwüstenlandschaft, die durch das andalusische Umweltamt, die Agencia de Medio Ambiente, unter Schutz gestellt wurde. Rund 26 000 Hektar umfasst das Schutzgebiet. Eine Vielzahl von Sing- und Greifvögeln, darunter seltene Gimpel- und Adlerarten, überdies Mauergeckos, mehrere Schlangen-, Skorpion- und
Eidechsenarten sind hier beheimatet. Oleander, Zwergpalmen, Mastixsträucher, Sisalagaven und viele andere an
das trockene Halbwüstenklima ange-
passte Pflanzen gedeihen hier. Nordwestlich des bizarr ins Meer hinausragenden Felsenkaps Cabo de Gata trifft der Besucher auf die weitläufigen Wasserflächen von Salinen. Nur noch wenig Meeressalz wird hier gewonnen. Der größte Teil der Wasserflächen ist heute Brut- und Ruhezone für Wasservögel. Tausende von Flamingos, Stelzenläufern, Reihern und anderen Vögeln kann man hier je nach Jahreszeit antreffen.
Weiter nordöstlich bei
Rodalquilar, gleichfalls im Naturpark Cabo de Gata-
Nijar, wurde noch bis vor wenigen Jahren Gold abgebaut. Die Werksanlagen und Förderinstrumente stehen noch. Auch hier: Die karge, von üppiger Sonne und Winderosion geprägte Halbwüstenlandschaft erinnert an den Norden Afrikas. Reste von Wachtürmen aus historischer Zeit bemerkt man auf einigen Berggipfeln über der
Küste.
Lohnend ist auch ein Ausflug ins Hinterland der Provinz Almería. Zwischen Dezember und März werden in den geschützten Tälern der Sierra de los Filabres, der Sierra de las Estancias oder Sierra de María die Oliven geerntet und zur Ölmühle gebracht. Für den Besucher ist dies die Zeit, um die ein oder andere Ölmühle aufzusuchen und sich anzusehen, wie die Oliven von großen konischen Mahlsteinen zu-
nächst zu einem dunkelbraunen Matsch zermalmt werden. Danach wird der Oli-
venbrei auf runde Matten
aus Espartogras gestrichen. Schließlich legt man diese Matten um eine Spindel übereinander, gibt alles in eine Presse. Und schon läuft das grünliche Öl heraus, das aromatisch nach Oliven duftet und schmeckt.
Wer sich eine reizvolle Bergregion abseits der touristischen Ballungsgebiete ansehen und dort auch bestes kalt gepresstes Olivenöl kaufen will, trifft im äußersten Norden der Provinz Almería auf den Landkreis Los Vélez und den dortigen Naturpark Sierra de María-Los Vélez. Bis auf über 2 000 Meter steigen die Berge im Naturpark an. An vielen Hängen der
Gebirgsmassive wurde aufgeforstet.
Málaga – ins Hinterland
Architektonisches Prunkstück des Gebietes ist das im 16. Jahrhundert errichtete Renaissance-Castillo oberhalb von Vélez-Blanco. Die filigran konstruierte, von Zinnen gekrönte Burg erhebt sich über den weißen Häusern dieses gut erhaltenen andalusischen Dorfes. Von den Türmen des Castillos blickt man nach Osten hin auf ein fruchtbares Tal, in dem vor allem Olivenbäume kultiviert werden. Un-gefähr drei Kilometer vom Dorf entfernt liegt am Rande dieses Tales (Vega de Vélez-Blanco) die von einer Genossenschaft betriebene Olivenmühle. Im Winter passiert in diesen Breiten nicht viel. Da hilft man gern und freut sich über ein Gespräch, wenn Touristen von der Küste herauf-
kommen und nach dem Weg
fragen.
Nicht nur in der Provinz Almería verlockt diese Jahreszeit zu Ausflügen ohne Rummel und Hochbetrieb. Wer beispielsweise in der Provinz Málaga von der gleichnamigen Hauptstadt aus eine Fahrt in das Hinterland unternehmen will, wird erstaunt sein. Nicht wenige Besucher werden im Hochsommer Tag um Tag von der Küste herauf zur Ortschaft Ronda befördert.
Im Winter 1912 hatte sich hier Rainer Maria Rilke in Zimmer 208 des Hotels Reina Victoria einquartiert, um die einzigartige Lage von Ronda oberhalb einer Schlucht, die hier der Río Guadalevin
bildet, zu genießen. „Der Fluss in seinem schluchtigen Abgrund spiegelt die zerrissenen Lichter des Himmels“, schrieb Rilke. Wer inspiriert von der Ruhe nach dem Sturm um diese Zeit durch die fast 730 Meter über Meeresniveau gelegene Ortschaft schlendert, schließlich auf der Puente Nuevo steht und herunter in das Schluchttal des Guadalevin blickt, wird die Worte des Dichters verstehen. Harald Klöcker

Reise-Tipps: Anreise: Almería und Málaga werden von der Iberia bzw. von allen Chartergesellschaften angeflogen.
Literatur: Harald Klöcker, MERIANlive! Andalusien, Gräfe & Unzer Verlag. Rolf Neuhaus und Jesús Serrano, Andalusien – Literarische Reisebilder aus dem maurischen Spanien, Verlag Klett-Cotta. Roland Baumhauer/Dietmar Roth/Brigitta Schütt (Hrsg.), Los Vélez,Trierer Geografische Studien, Heft 24.
Auskünfte: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Grafenberger Allee 100, 40237 Düsseldorf, Tel.: 02 11/6 80 39 80, Fax: 6 80 39 85, E-Mail: dusseldorf@tourspain.es
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