ArchivDÄ-TitelSupplement: ReisemagazinReisemagazin 2/2001Oberschwäbische Barockstraße: Reise in das Himmelreich

Supplement: Reisemagazin

Oberschwäbische Barockstraße: Reise in das Himmelreich

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): [18]

Wendt, Christoph

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LNSLNS Kleine Straßen winden sich durch liebliches Hügelland, schwingen sich unvermittelt auf Kuppen hinauf, tauchen wieder jäh hinab in Wiesentälchen, von kleinen Seen oder Moor gefüllt. Vieh steht in saftigen Wiesen und glotzt mit großen Augen den wenigen Fahrzeugen nach, die alsbald wieder hinter dem nächsten Waldstück verschwinden. Mittendrin in dieser ländlichen Idylle, in der noch vor jedem Bauernhof der Hahn auf dem Misthaufen kräht, ragt weithin über das Land sichtbar wie ein ausgestreckter Zeigefinger ein mächtiger Kirchturm in die Höhe, der Kirchturm von Steinhausen.
Schöne Dorfkirche
Steinhausen – das ist ein Name, der nach Ansicht von Experten für die schönste Dorfkirche der Welt steht. Das gilt für die Architektur dieser 1733 durch den Barockbaumeister Dominikus Zimmermann fertig gestellten Kirche, aber noch mehr für das Innere, das den Besucher mit einem Rausch von Formen und Farben gefangen nimmt. Dabei sind es nicht nur die großartigen Deckenfresken, die beeindrucken, vielleicht mehr noch die zahlreichen liebevoll gestalteten Einzelheiten, die aus der Natur des Rieds draußen hereingenommen wurden. Die Schwalbe
an ihrem Nest, Eichhörnchen, Fuchs und Schmetterlinge, Schnecken, Spinnen und Elstern, Wiedehopf und Drosseln und Blumen – alles scheint darauf abgestimmt zu sein, dem Betrachter vorzugaukeln, er sei im Paradies.
Steinhausen hat zwar die berühmteste Kirche an
der Oberschwäbischen Barockstraße, die als Gegenstück zur Romantischen Straße die Besucher aus aller Welt in eine Landschaft anlocken soll, die zwischen Donau und Bodensee, zwischen Schwarzwald und dem Allgäu heute gerne als das Oberschwäbische Himmelreich bezeichnet wird. Wie es sich für eine Straße
ins oder durch das Himmelreich gehört, haben die Schöpfer dieser Touristen-
route einen pausbäckigen kleinen Engelskopf dazu
ausersehen, überall an Kreuzungen, Gabelungen oder anderen wichtigen Punkten dem Reisenden, der unterwegs
ist ins Paradies,
den rechten Weg, sprich die Oberschwäbische Barockstraße, zu zeigen.
Ursprünglich war die Route so anlegt, dass sie von Ulm durch Schwaben an den Bodensee durch eine Landschaft führ-
te, die voll gestopft ist mit
barocken Kirchen, Kapellen und Klöstern, Schlössern
und Residenzen. Entlang die-
ser Route reihen sich die
Namen berühmter Barockbauten wie Perlen einer Kette aneinander. So lauert der kleine Putto denn allent-
halben den Reisenden auf, weist sie zur doppeltürmigen Münsterkirche von Zwiefalten und zur alten Prämonstratenserabtei Marchtal über der Donau, deren Kirche bei ihrer Fertigstellung um 1700 als schönstes Gotteshaus Schwabens bezeichnet wurde. Nach Bad Schussenried zeigt der goldene Engel auf grünem Grund zum Bibliothekssaal
in der alten Abtei. Es geht nach Bad Wurzach, wo sich im Residenzschloss ein kostbares Treppenhaus empor-schwingt.
Ein Höhepunkt des süddeutschen Barocks ist die Basilika von Weingarten, eine der größten Barockkirchen Deutschlands. Wie eine Festung Gottes erhebt sich der Kirchenbau auf einer Anhöhe aus den Häusern des kleinen Ortes heraus. Wie
Festungen wirken auch manche teils ehemaligen, teils heute noch aktiven Abteien wie die Benediktiner-Reichsabtei Ochsenhausen oder die einstige Reichsabtei Rot an der Rot.
Barockseligkeit
In einem letzten gewaltigen Akkord klingt die Barockseligkeit am Bodensee aus in der Klosterkirche Birnau. Vor allem eine kleine Engelsgestalt hat Birnau berühmt gemacht, der Honigschlecker, ein aus dem Bienenkorb naschender Putto. Er wurde zum Wahrzeichen der Barockstraße, des Oberschwäbischen Himmelreiches, ähnlich wie der „Blumenschmecker“ in den Fresken der Kirche von Wolfegg.
Wolfeggs Schloss ist eins der vielen oft von ihrer Lage und Ausstattung überwältigenden Schlösser Oberschwabens, die zum Teil noch von ihren fürstlichen Besitzern bewohnt werden, trotzdem aber meist besichtigt werden können. Tettnang gehört dazu, ebenso wie das Neue Schloss in Kisslegg, Waldburg, Heiligenberg nahe dem Bodensee oder das heute als
internationales Nobelinternat berühmte ehemalige Klosterschloss Salem. Christoph Wendt

l Informationen: Gebietsgemeinschaft Allgäu-Bodensee-Oberschwaben, Postfach 14 64, 88333 Bad Waldsee, Telefon: 0 75 24-94 13 43, Fax: 94 13 45
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