ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Umfrage: Patienten zunehmend unzufrieden

POLITIK

Umfrage: Patienten zunehmend unzufrieden

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2685 / B-2288 / C-2152

Flintrop, Jens

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Um zu belegen, dass Einsparungen auf dem Arzneimittelsektor nur noch zulasten der Patienten möglich sind, hat der VFA eine repräsentative Meinungsumfrage in Auftrag gegeben. Das Institut Emnid befragte 1 876 Personen zur Gesundheitspolitik und zur Arzneimittelversorgung. „Jeder Fünfte ist in diesem Jahr entweder persönlich von Arzneimittelablehnungen betroffen gewesen oder kennt jemanden, dem dies widerfahren ist“, zitierte Cornelia Yzer, VFA-Hauptgeschäftsführerin, am 9. Oktober in Berlin aus den Ergebnissen der Umfrage.
Nach Emnid-Berechnungen sind allein bis Ende August dieses Jahres bei rund 3,3 Millionen der gesetzlich Versicherten ab 18 Jahren Arzneimittelverordnungen abgelehnt worden. Besonders hoch sei die Wahrscheinlichkeit von Arzneimittelablehnungen bei den chronisch Kranken: 15,5 Prozent von ihnen wurde in diesem Jahr von ihrem Arzt ein Arzneimittel abgelehnt, oder die Verordnung wurde aufgeschoben. Bei insgesamt 78 Prozent der Betroffenen wurden als Begründung für nicht verordnete Arzneimittel „Kostengründe“ genannt. 44 Prozent der Betroffenen gaben an, dass sie gesundheitliche Nachteile hatten, weil die Verschreibung des Arzneimittels abgelehnt wurde.
Emnid zufolge sind mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Bevölkerung der Meinung, in Deutschland gebe es eine 2-Klassen-Medizin. Bei den von Arzneimittelablehnungen betroffenen Patienten betonen dies sogar 80 Prozent. 70 Prozent der Kassenpatienten und 71 Prozent der Privatversicherten denken, dass Kassenpatienten eine schlechtere Gesundheitsversorgung erhalten als Mitglieder der privaten Kran­ken­ver­siche­rung. 89 Prozent der Bevölkerung plädieren dafür, dass die Grundzüge einer grundlegenden Gesundheitsreform noch vor der nächsten Bundestagswahl vorgestellt und in Angriff genommen werden. Von der Politik sind sie enttäuscht: Nur 40 Prozent erklärten, dass die Regierung die Probleme bei der Finanzierung des Gesundheitswesens lösen kann. Der Opposition trauen dies nur 31 Prozent zu.
Für einschneidende Maßnahmen bei der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens gab es bei der Emnid-Umfrage eindeutige Zustimmung: 74 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass sich die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung auf die wesentlichen und absolut notwendigen Leistungen konzentrieren muss. So plädieren 79 Prozent dafür, dass versicherungsfremde Leistungen aus der GKV herausgenommen werden sollen, um dieses Geld für die Behandlung von Krankheiten zu sichern. 77 Prozent treten dafür ein, dass Versicherte ihr Leistungspaket in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung selbst gestalten können. 69 Prozent befürworten mehr Wettbewerb zwischen den Kassen, um die Kosten zu reduzieren. JF
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema