ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Facharzt/Hausarzt: Studie sorgt für Wirbel

POLITIK

Facharzt/Hausarzt: Studie sorgt für Wirbel

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2686 / B-2308 / C-2144

Richter, Eva A.

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LNSLNS Nach der GFB-Studie konsultieren zwei Drittel aller
Patienten direkt den Facharzt.

Die Studie der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände (GFB) wird sich zu einem grandiosen Eigentor auswachsen.“ Dies orakelte der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands (BDA) bereits im März dieses Jahres. Vermutlich liegt er mit dieser Einschätzung richtig.
Dass der Hausärzteverband und der Fachärzteverband nicht gerade befreundet sind, ist kein Geheimnis. Deshalb war auch nicht zu erwarten, dass die Studie zum Überweisungsverhalten von Hausärzten, die die GFB am 11. Oktober in Berlin vorstellte, auf Gegenliebe beim BDA stößt. Es bedarf tatsächlich keiner besonderen statistischen Kenntnisse, um zu bemerken, dass mit der Umfrage und den daraus abgeleiteten Aussagen einiges nicht stimmen kann.
Die Studie dokumentiere eindeutig den Wunsch der Patienten, im Erkrankungsfall direkt einen ihnen zuständig erscheinenden Facharzt aufzusuchen, behauptet die GFB. „Zwei Drittel der akut erkrankten Patienten suchen direkt den Facharzt auf“, lautet das ebenso schlichte wie plakative Ergebnis der Studie.
Dies ist aber auch schon die erste Fehlinterpretation. Richtig mag sein, dass zwei Drittel der Patienten, die einen Facharzt aufsuchen, zuvor keinen Hausarzt konsultiert haben. Die Studie erfasst nämlich nur die Facharztpatienten, nicht aber die Summe aller Patienten, wie das Ergebnis der GFB glauben macht.
Der zweite methodische Fehler: Die GFB befragte die Fachärzte, nicht die Patienten. Obwohl der Präsident der GFB, Dr. med. Jörg-Andreas Rüggeberg, versicherte, dass es sich bei der Studie um eine Patientenbefragung handele, werden auf den Fragebögen eindeutig die Ärzte und nicht die Patienten angesprochen. Diese werden nicht nur befragt, ob die Patienten mit oder ohne Überweisungsschein vom Hausarzt kommen, sondern sie werden auch gleichzeitig aufgefordert, die Qualität des Überweisungsscheins zu beurteilen und anzugeben, ob die hausärztliche Verdachtsdiagnose sinnvoll oder falsch war.
Hausärzte: „Man merkt die politische Absicht“
Die Studie hatte bereits im Frühjahr – als die Zwischenergebnisse bekannt wurden – die Hausärzte provoziert. Jetzt sieht Robert Festersen, Geschäftsführer des BDA, seine Vermutung bestätigt. „Die Studie ist nicht nur irreführend, sondern enthält geradezu unverschämte Falschbehauptungen.“ Schon der Umstand, dass sich innerhalb von zwei Wochen angeblich mehr als 326 000 Patientinnen und Patienten zu gesundheitspolitischen Fragen äußerten, sei unglaubwürdig. Eindeutig hingegen sei die politische Absicht des Fachärzteverbandes.
Dieser ist zufrieden mit der Studie: „Sie bietet erstmals valide Daten“, erklärte Rüggeberg. Diese belegten, wie sich der Patient verhält, wenn es wirklich brennt. „Nur ein Drittel aller Patienten bringt einen Überweisungsschein, auf dem zu fast einer Hälfte eine richtige und bei weiteren 40 Prozent eine richtungweisende Diagnose steht – mehr aber nicht“, ergänzte der GFB-Präsident. „Eine Lotsenfunktion des Hausarztes ist nicht zu erkennen und wird von den Patienten offensichtlich nicht gewünscht“, so das Fazit der GFB.
Der Verband zeigt sich gesprächs- und kompromissbereit: Die Studie sei keine Attacke gegen die Hausärzte. Einem konstruktiven Dialog wolle er sich jederzeit stellen; er wäre auch zu einer gemeinsamen Studie mit dem BDA bereit. Dieser hat von dem Projekt bisher jedoch nichts gehört. Dr. med. Eva A. Richter
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