ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Dienstrechtsreform: Professur für Dumme und Idealisten

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Dienstrechtsreform: Professur für Dumme und Idealisten

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2712 / B-2308 / C-2172

Gieffers, Jens

Zu dem Beitrag „Bedürfnisse der Hochschulmedizin missachtet“ von Prof. Dr. med. Peter von Wichert in Heft 31–32/2001:
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LNSLNS Die Dienstrechtsreform steht vor der Tür. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist die Einführung der Juniorprofessur vorgesehen. Versetzen wir uns in die Lage eines hoch begabten Jungforschers: Er ist 33 Jahre alt, verheiratet, ein Kind. Parallel zu seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat er die Facharztweiterbildung erfolgreich absolviert. Er verdient nach BAT 1b 7 270 DM im Monat. Hinzu kommen die Beteiligung an der Privatliquidation des Chefs und die nicht unerheblichen Zuschläge für Dienste. Als Auszeichnung für seine überdurchschnittlichen Leistungen in der medizinischen Forschung wird er auf eine Juniorprofessur berufen. In diesem Augenblick verdient er entsprechend der jetzigen Planung nur noch 6 000 DM. Da er als hauptamtlicher Forscher keine Dienste mehr leistet, fällt auch diese Einnahmequelle weg. Er muss seinen Lebensstandard seiner neuen beruflichen Position nach unten hin anpassen. Während er in seiner alten Position die Chance auf eine unbefristete Anstellung hatte, lebt er nun in der Gewissheit, sich nach spätestens sechs Jahren eine neue Stelle suchen zu müssen. Selbst bei weiterhin ausgezeichneter Forschung bleibt der Ruf auf eine W-2-Position aufgrund der angespannten Stellensituation ungewiss. Die Rückkehr in die Patientenversorgung dürfte ihm verwehrt sein; wer stellt einen Arzt ein, der in den letzten sechs Jahren mehr Reagenzgläser als Patienten gesehen hat?
Angesichts dieses Zukunftsszenarios stellt sich dem Betrachter die Frage, ob dieses Gesetzeswerk einmal mehr von der Inkompetenz und
Ignoranz der politisch Verantwortlichen zeugt oder ob hier unter dem euphemistischen Decknamen „Juniorprofessur“ gar eine Art billiger Forschungs-AiP etabliert werden soll. Die mit dieser Gesetzesänderung angesprochene medizinisch-wissenschaftliche Elite Deutschlands wird sich auf diesen Kuhhandel wohl kaum einlassen. Zu befürchten bleibt, dass das Kriterium zur Besetzung von Juniorprofessuren nicht wissenschaftliche Exzellenz, sondern Dummheit oder unverbesserlicher Idealismus des Bewerbers sein wird.
Dr. Jens Gieffers, Detmolder Straße 2, 33189 Schlangen
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