ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Bereitschaftsdienst: Gesucht - Billige Opfer für alten Schlendrian

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Bereitschaftsdienst: Gesucht - Billige Opfer für alten Schlendrian

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2710 / B-2329 / C-2161

Füssel, Ulrich

Zu dem Beitrag „Das große Schweigen“ von Jens Flintrop in Heft 27/2001 und zur Lage auf dem Arbeitsmarkt:
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LNSLNS Mit Schrecken habe ich auf der Titelseite des letzten „Bayrischen Ärzteblattes“ die Frage nach einer Greencard für Ärzte gelesen. Nun haben sich einige Chefärzte (und andere Entscheidungsträger) über Jahre hinweg bemüht, den Arztberuf unattraktiv zu machen: keine Antworten auf Bewerbungsschreiben, unbezahlte Überstunden, schlechte Weiterbildung, dafür teure Kurse im Urlaub und selbst bezahlt, halbe AiP-Stellen für sechs Monate, Bereitschaftsdienste mit Routinearbeit vom Tage in der Nacht für 80 %, Kassenzahlungen erst Quartale später und in der Höhe ungewiss. Über diese Zustände (die ich glücklicherweise nicht komplett selbst erlitt) wundern sich meine Freunde, die in der Industrie arbeiten, schon seit Jahren.
Das ist nicht überraschend. Überraschend ist aber, dass diejenigen, die dafür die Verantwortung oder Schuld tragen, sich wundern, dass die Leidensfähigkeit der Ärzte groß, aber nicht unbegrenzt ist. Aus einem Arzthaushalt stammend, ahne ich, dass früher nicht alles besser war. Allerdings funktionierte damals das (patriarchalische) Chefarztsystem mit Forderung und (!) Förderung, mit Strenge und (!) Fürsorge. Wenn jetzt nach der Green-card für Ärzte gerufen wird, versucht man nur, billige Opfer für den alten Schlendrian zu finden, da selbst ein Numerus clausus von 2,3 offensichtlich nicht niedrig genug ist, um Kandidaten hierzulande zu finden.
Dr. Ulrich Füssel, Bogenstraße 22, 93051 Regensburg,
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