ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Schilddrüse und Röntgenkontrastmittel: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Schilddrüse und Röntgenkontrastmittel: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2737 / B-2333 / C-2193

Rendl, Johann

zu dem Beitrag Pathophysiologie, Häufigkeit und Prophylaxe der jodinduzierten Hyperthyreose von Priv.-Doz. Dr. med. Johann Rendl Dr. med. Bernhard Saller in Heft 07/2001
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LNSLNS Die ganze Vordiagnostik macht nur dann Sinn, wenn man die Patienten, die hinsichtlich einer möglichen jodinduzierten Hyperthyreose als risikogefährdet erkannt wurden, auch entsprechend schützt. Das von Köhler angeführte Argument, dass es für den Radiologen schwierig sei, bei diesen Patienten über 14 Tage eine Perchloratblockade eventuell in Kombination mit Thyreostatika sicherzustellen, ist nicht stichhaltig.
Die Blockade mit Perchlorat ist einerseits effektiv, weil dadurch nicht nur eine kompetitive Verdrängung des Jods von der Schilddrüsenzelle erfolgt, sondern über eine Hemmung des Natriumjodid-Symporters auch die Jodaufnahme in die Schilddrüsenzelle erheblich reduziert wird, andererseits ist die Blockade sehr einfach durchzuführen. Selbst wenn man nur kurzfristig (30 Minuten) vor Applikation des Kontrastmittels mit der Blockade beginnt, ist noch ein ausreichender Schutz gegeben, da Perchlorat, ähnlich wie Jod, rasch resorbiert wird.
Die tägliche Einnahme von dreimal 20 Tropfen Perchlorat (Irenat) eventuell zusammen mit Thiamazol über 14 Tage im Anschluss an die Röntgenuntersuchung ist dem Patienten leicht verständlich zu machen und zu rezeptieren. Bei entsprechend guter Aufklärung und Information wird sich jeder Patient daran halten. Eine Kontrolle der Schilddrüsenhormonparameter mit Absetzen der Medikation in zwei Wochen beim Hausarzt stellt üblicherweise kein großes Problem dar und setzt keine das übliche Maß übersteigende, außerordentlich gute Compliance zwischen Patienten und Hausärzten voraus, da häufigere Kontrollen wegen der geringen Nebenwirkungsrate von Perchlorat nicht nötig sind. Es darf in dem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, dass die ein Jahr lang durchzuführende thyreostatische Therapie des Morbus Basedow, die wesentlich häufigere Überprüfungen der Stoffwechsellage erfordert, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auch funktioniert (Compliance beträgt 83 Prozent).
Dass es natürlich sicherer wäre, auf entbehrliche Kontrastmittelanwendungen zu verzichten, steht außer Frage. Ob und bei welchen Fragestellungen eine Computertomographie mit Applikation jodhaltiger Kontrastmittel kostenneutral durch eine entsprechende Magnetresonanztomographie ersetzt werden kann, muss der Radiologe entscheiden. Bei Risikopatienten jedenfalls wäre dies aus thyreologischer Sicht unbedingt zu befürworten, vor allem unter dem Aspekt, dass die dabei eingesetzten Kontrastmittel kein Jod enthalten.

Literatur
1. Dai G, Levy O, Carrasco N: Cloning and characterization of the thyroid iodide transporter. Nature 1996; 379: 458–460.
2. Perchlorat-Monographie. Bekanntmachungen über die Zulassung und Registrierung von Arzneimitteln. Bundesanzeiger 1989.
3. Meyer-Gessner M, Benker G, Olbricht T et al.: Nebenwirkungen der antithyreoidalen Therapie der Hyperthyreose. Dtsch Med Wschr 1989; 114: 166–171.
4. Nicholas WC, Fischer RG, Stevenson RA, Bass JD: Single daily dose of methimazole compared to every 8 hours prophylthiouracil in the treatment of hyperthyroidism. South Med J 1995; 88: 973–976.

Priv.-Doz. Dr. med. Johann Rendl
St.-Vincentius-Kliniken Karlsruhe
Klinik für Nuklearmedizin
Südendstraße 32
76137 Karlsruhe
E-Mail: rendl.vincentius-ka@t-online.de

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