ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001PROGRESS-Studie mit Perindopril: Kampf gegen den zweiten Schlaganfall

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PROGRESS-Studie mit Perindopril: Kampf gegen den zweiten Schlaganfall

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2741 / B-2337 / C-2189

Bischoff, Martin

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LNSLNS Der Schlaganfall ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Etwa 15 Millionen Betroffene überleben das Ereignis – oftmals als Pflegefall und mit hohem Risiko auf einen weiteren Apoplex. Laut Statistik erleidet einer von fünf Patienten innerhalb von fünf Jahren ein Rezidiv, dessen Prognose besonders ungünstig wird, wenn der Insult auf einer Hirnblutung beruht. Etwa die Hälfte dieser Patienten stirbt innerhalb des ersten Halbjahres, und bei den Überlebenden ist das Risiko der Invalidität dann besonders hoch.
Die erste größere Studie, die sich der Prävention nach Schlaganfall oder transitorisch ischämischer Attacke widmet, ist die PROGRESS-Studie (Perindopril protection against Recurrent Stroke Study). Sie sei weitgehend auf therapeutischem Neuland durchgeführt worden, erklärte Prof. Roman L. Haberl (München) bei einer Pressekonferenz der Firma Servier in München.
Unklar war noch vor kurzem der Nutzen von Antihypertensiva bei normotonen Patienten. Offen war auch die Frage nach einem „Ziel-Blutdruck“ und der Sinn einer Blutdrucksenkung in der Sekundärprävention. PROGRESS sollte diese Fragen beantworten. Als Basis der Therapie wurde der ACE-Hemmer Perindopril eingesetzt. Perindopril (Coversum®) sei für eine derartige Studie besonders gut geeignet gewesen, erklärte Prof. Martin Wehling (Mannheim). Es senkt den Blutdruck anhaltend über 24 Stunden und reichert sich gut im Gewebe an.
Für die Behandlung nach Schlaganfall sei besonders bedeutsam, so Wehling, dass Perindopril zwar den systemischen Blutdruck senkt, dabei aber die zerebrale Durchblutung nicht weiter beeinträchtigt. Darüber hinaus verfügt dieser ACE-Hemmer über gefäßprotektive Eigenschaften, indem er das Verhältnis von Media zu Lumen in den zerebralen Arterien wieder normalisiert.
Voraussetzung für die Teilnahme an PROGRESS waren ein Schlaganfall – gleich welcher Ursache –, eine TIA oder Amaurosis fugax. Das Ereignis sollte höchstens fünf Jahre zurückliegen und ohne schwere Behinderungen abgelaufen sein. Ohne Belang war die Höhe des Eingangs-Blutdrucks oder die Einnahme anderer blutdrucksenkender Mittel. Wie Prof. Ingomar-Werner Franz (Todtmoos) berichtete, waren die über 6 100 Patienten beim Einschluss zumindest diastolisch normotensiv.
Das in PROGRESS vorgegebene Behandlungsschema ließ den Ärzten relativ viel Spielraum. So lag es in deren Ermessen, zusätzlich zu vorbestehenden Standard-Therapien nur Perindopril (4 mg) oder Placebo oder zusätzlich ein Diuretikum (Indapamid, Natrilix® 2 oder 2,5 mg) zu geben. Primärer Studienendpunkt war die Gesamtzahl der Schlaganfallrezidive. An zweiter Stelle standen: Tödlicher Schlaganfall oder Schlaganfall mit schweren Behinderungen, schwerwiegende Gefäßkomplikationen wie Herzinfarkt und Tod aus vaskulärer Ursache, Demenz und Behinderungen als Folgeschäden.
Durch die Zusatzbehandlung auf Basis von Perindopril wurde das Risiko eines Schlaganfallrezidivs hochsignifikant um 28 Prozent gesenkt. Das relative Risiko für das Erreichen eines sekundären Endpunktes verringerte sich um 26 Prozent. Besonders interessante Daten konnte Franz aus der Analyse der Schlaganfall-Subgruppen berichten. Bei Patienten nach einer zerebralen Hämorrhagie hatte sich das Risiko eines Rezidivs halbiert. Aber auch Patienten mit anderen Formen von Schlaganfall hatten unter der Zusatztherapie ein deutlich geringeres Rezidiv-Risiko. Schließlich konnte gezeigt werden, dass die Perindopril-gestützte Therapie den kognitiven Verfall besser aufhalten kann. In der Verum-Gruppe traten Demenzen um 34 Prozent seltener auf als in der Placebo-Gruppe.
Martin Bischoff


Ziele der Sekundärprävention
- Strengste Behandlung der Hypertonie
- Rauchverzicht
- Normalisierung des Körpergewichts
- Optimale Diabetes-Einstellung
- Behandlung einer Hypercholesterinämie
- Antikoagulation von Patienten mit Vorhofflimmern oder anderen kardialen Emboliequellen
- Gefäßdesobliteration oder Angioplastie bei Patienten mit TIA oder „minor stroke“ und über 70 %igen A. carotis interna-Stenosen
- Thrombozytenaggregationshemmung bei Patienten mit über 70 %igen A. carotis interna-Stenosen, bei Patienten ohne identifizierbare Insultursache sowie bei den meisten Patienten mit schweren neurologischen Defiziten
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