ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Lungenerkrankungen: Manual soll Hausärzte sensibilisieren

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Lungenerkrankungen: Manual soll Hausärzte sensibilisieren

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): A-2742 / B-2137 / C-1949

Hahne, Dorothee

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LNSLNS Unter der Abkürzung COPD für „chronic obstructive pulmonary diseases“ verbirgt sich eine Vielzahl von Erkrankungen der Lunge und der Atemwege – allen voran die chronisch-obstruktive Bronchitis und das Lungenemphysem. Fünf bis zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland an chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen. Um die Hausärzte für das Krankheitsbild zu sensibilisieren und sie in die Lage zu versetzen, Patienten mit COPD optimal zu therapieren, hat der Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschland sein neues Manual „COPD“ vorgestellt.
Frühe Zusammenarbeit zwischen Haus- und Facharzt
Was die verschiedenen Krankheiten vereint, ist, dass die COPD jahrelang symptomlos bleibt, sodass nicht einmal 30 Prozent der Patienten erfasst werden. Um diese Situation zu verbessern, sind vor allem die Hausärzte gefragt: „Eine frühe Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Pneumologe ist wichtig. Denn ohne den Hausarzt wird COPD weder diagnostiziert noch behandelt. 700 Pneumologen können nicht zehn Millionen COPD-Patienten behandeln“, sagte Prof. Wolfgang Petro bei einer Pressekonferenz von Boehringer Ingelheim in Köln.
Wie eine Kooperation zwischen Haus- und Facharzt funktionieren könnte, zeigt ein COPD-Netzwerk mit Pneumologen und etwa 100 Hausarztpraxen, das seit 1997 in Remscheid, Dortmund, Cottbus und Ulm läuft. Ziel dieses Programms ist, alle Patienten über 40 Jahre zu erfassen, die die Frage des Hausarztes nach Husten, Auswurf oder Rauchen bejahen. Der Hausarzt ist dann für die Erstdiagnostik zuständig, danach übernimmt der Pneumologe den Patienten, sichert die Diagnose und überprüft die Therapie. Der Hausarzt betreut den Patienten anschließend regelmäßig in dreimonatigen Abständen. Auch der Patient ist gefragt: Er sollte an Schulungsprogrammen und Lungensportgruppen teilnehmen.
„Inzwischen betreuen wir mehr als 5 000 Patienten, die im Rahmen dieses Programms entdeckt wurden“, sagte Dr. Harald Mitfessel (Remscheid). „Immerhin sieben Prozent dieser Patienten sind schwer krank, wären aber wegen ihrer Beschwerden nie zum Arzt gegangen“, erklärte Mitfessel in Köln.
Hauptursache für die Entstehung von COPD ist das Zigarettenrauchen. Ein typischer COPD-Patient hat 20 Jahre lang pro Tag eine Schachtel Zigaretten geraucht, bekommt mit etwa 50 Jahren Husten und Auswurf, und merkt zwischen 60 und 70 Jahren, dass er immer weniger leisten kann: Das Treppensteigen fällt zum Beispiel immer schwerer, er kann nichts mehr tragen. Gleichzeitig nimmt die Obstruktion messbar zu, der Thorax wird rund, die Schultern sind hochgezogen.
Für die Früherkennung sei deshalb wichtig, Patienten nach ihren Rauchgewohnheiten zu fragen: „Misst man den reduzierten Atemstoßwert, sieht man, dass er bei COPDlern das Drei- bis Siebenfache eines Gesunden beträgt“, erklärte Petro. Weitere Risikofaktoren für COPD sind Umweltgifte, Passivrauchen, Armut, niedriger sozialer Status und Alkoholmissbrauch. Dorothee Hahne
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