ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Haftpflicht: Keine Schuld anerkennen

Versicherungen

Haftpflicht: Keine Schuld anerkennen

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): [79]

Combach, Rolf

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LNSLNS Eine Haftpflichtversicherung gehört in jeden Haushalt.

Der Herbst steht vor der Tür. Einen ersten Vorgeschmack auf die glatte Jahreszeit bietet feuchtes Herbstlaub auf Straßen und Wegen. Für Grundstücksbesitzer bedeutet dies: Vorsicht! Denn wer seine Pflicht vernachlässigt, Gehwege von Ästen und Blättern zu befreien, muss dafür unter Umständen teuer bezahlen. Kommt zum Beispiel ein Fußgänger ins Rutschen, haftet der Anlieger. Zum Sachschaden einer zerbrochenen Brille oder zerrissenen Hose kommen eventuell Verletzungen. So entstehen Kosten, die sich schnell zu fünf- bis sechsstelligen Summen addieren können. Per Gesetz haftet jeder Bürger für Schäden, die er schuldhaft verursacht, unbegrenzt. Oft sind es Sekunden der Unachtsamkeit – man überquert eine Straße, übersieht ein Auto und verursacht einen Auffahrunfall –, die gravierende finanzielle Folgen nach sich ziehen können. Daher ist der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung zu empfehlen.
Nach jedem Schadensfall stellt sich die Frage: Wer haftet? Aufgabe der Haftpflichtversicherung ist es, berechtigte Schadensersatzansprüche Dritter zu erstatten und unberechtigte abzuwehren. Daher prüfen die Versicherungen zunächst, ob ihr Kunde überhaupt schadensersatzpflichtig ist. Trifft ihn keine Schuld, vertreten sie seine Interessen notfalls vor Gericht und übernehmen die Verfahrenskosten. Diesen Rechtsschutz erhält der Versicherte gleichsam mit seiner Police.
Private Haftpflichtversicherungen springen auch dann ein, wenn der Schaden durch grobe Fahrlässigkeit entstanden ist. Einzige Bedingung: Der Versicherte darf nicht vorsätzlich gehandelt haben. Zudem muss er den Schaden möglichst gering halten. Dazu gehört, im Notfall umgehend Polizei, Arzt oder Feuerwehr zu alarmieren. Da die Schuldfrage vom Versicherer geprüft wird, sollte man weder ein Schuldanerkenntnis abgeben noch Vorauszahlungen leisten. Unmittelbar nach dem Schaden, spätestens jedoch innerhalb einer Woche, muss die Versicherungsgesellschaft informiert werden. Wie hoch der Schutzumfang ist, hängt von der jeweiligen Deckungssumme ab. Diese sollte laut Allgemeiner Wirtschaftsdienst mindestens zwei Millionen DM betragen. Viele Gesellschaften bieten höheren Schutz für wenig Aufgeld an. Hier sollte nicht gespart werden. Von der normalen Haftpflichtpolice ausgeschlossen sind besondere Risiken, die sich aus der Haltung von Tieren oder dem Besitz eines Bootes/einer Jagdwaffe ergeben. Hier muss eine Extra-Versicherung abgeschlossen werden.
Wie aber schützt man sich gegen Verluste durch Schäden, die ein anderer verursacht hat, mangels Versicherung aber nicht begleichen kann? Abhilfe schafft hier die „Ausfalldeckung“. Sie erstattet Forderungen ab 5 000 DM, wenn Vollstreckungsversuche nach rechtskräftigem Urteil gescheitert sind. In der Familienpolice sind neben dem Lebenspartner auch alle Kinder mitversichert. Dies gilt jedoch nur, solange sie unverheiratet sind und ihre erste Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Zusammenlebende Paare ohne Trauschein brauchen nur eine Haftpflichtversicherung, wenn der Name des Partners in der Police steht. Für Singles gibt es spezielle Angebote.
Rolf Combach
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