ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2001Aktien-Empfehlungen: Heiße Tipps, kalter Schweiß

VARIA: Schlusspunkt

Aktien-Empfehlungen: Heiße Tipps, kalter Schweiß

Dtsch Arztebl 2001; 98(42): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Haben Sie – nur für mich alleine – einen ganz heißen Tipp, ich gebe ihn auch wirklich nicht weiter“, werde ich nahezu jeden Tag gefragt. Darunter sind, erstaunlich genug, gerade solche Menschen die mit so
genannten todsicheren Empfehlungen in der letzten Zeit bereits jede Menge Kohle verpulvert haben. Schon erstaunlich, wie trotz der schlechten Erfahrungen, oder vielleicht auch gerade deswegen (?), fast magierhaft nach solchen Flüsteraktien gefragt wird.
Seien Sie versichert, es gibt ihn nicht, den Glück und Geld bringenden heißen Tipp, von dem sonst keiner was weiß. Von mir gibt es ihn, mal abgesehen von Insidertatbeständen, schon aus Gewissensgründen nicht. Die aber so tun, als hätten sie das relevante Börsenwissen und suggerieren, sie wüssten in der Tat, wie der Markt läuft, können Sie ohnehin getrost vergessen.
Wer einem eine solche Illusion des Herrschaftswissens vermittelt, und von dieser Spezies Größenwahn gibt es leider jede Menge, der verkauft nur heiße Luft, bestenfalls blumig verpackt. Hierzu zähle ich durchaus auch Börsenbriefe, was ich aber als persönliche Meinungsäußerung verstanden wissen will.
Bei allem Verständnis, dass die Verfasser von diesen Postillen auch leben wollen, ist es in meinen Augen sicher so, dass, wenn die Autoren dort wüssten, wie der Hase an der Börse läuft, sie dem Anleger diese und jene Aktie gerade nicht empfehlen würden. Die Schlaumeier kauften in diesem Falle die Werte hübsch selber und hielten im Übrigen den Mund.
Besondere Vorsicht ist bei so genannten Börsengurus angebracht, die man mehr im Fernsehen als am Schreibtisch sieht. Diese speziellen Experten verzapfen manchmal einen so hanebüchenen Unsinn, der jeder Beschreibung spottet. Noch sehr lebhaft kann ich mich an einen bekannten Börsenpropheten erinnern, dessen Namen ich jetzt aber lieber der Höflichkeit halber verschweige. Der Mann hatte die Chuzpe, im US-Fernsehen einen Wert „short“ zu empfehlen, was ja bekanntlich bedeutet, die Aktie wird fallen. In Deutschland empfahl er die Aktie „long“ fast zeitgleich zum Kauf. Trotzdem treibt dieser Mensch seit Jahren sein Unwesen, was offensichtlich bisher nicht weiter auffällt.
Den Vogel des Irrsinns schießt aber seit Jahren ein Börsenastrologe ab, der die richtigen Aktien nach dem Stand der Gestirne zu bestimmen pflegt. Solange es kein Sternbild „Bulle und Bär“ gibt, sollten sich allerdings möglichst wenige danach richten.
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