ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Mammographie-Screening: Keine Zeit für Zweifel

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Mammographie-Screening: Keine Zeit für Zweifel

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2761 / B-2369 / C-2201

Richter, Eva A.

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LNSLNS Zügig soll ihr Gesetzentwurf „Brustkrebs – Mehr Qualität bei Früh-erkennung, Versorgung und Forschung“ verabschiedet werden. Dies fordern SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die sich bereits im Juni auf den gemeinsamen Antrag verständigten. Die darin empfohlenen Maßnahmen wollen sie möglichst sofort umgesetzt wissen. Das bedeutet: Ein flächendeckendes Mammographie-Screening soll für alle Frauen zwischen 50 und 70 Jahren nach Europäischen Leitlinien eingeführt werden, und zwar bis spätestens 2003. Helga Kühn-Mengel, Berichterstatterin für Frauengesundheit der SPD-Bundestagsfraktion und Hauptinitiatorin des Antrages, ist optimistisch: „Mit der Umsetzung werden dann statistisch zehn Frauenleben pro Tag in Deutschland gerettet.“
Am 18. Oktober beriet der Bundestag den Gesetzentwurf in erster Lesung. Er hat gute Chancen, durch das Parlament zu kommen. Denn die Regierungskoalition setzt sich mit Nachdruck dafür ein. Sie untermauert ihren Antrag mit amerikanischen und europäischen Studien, bei denen ein qualitätsgesichertes Mammographie-Screening zu einer sinkenden Mortalitätsrate beim Mamma-Karzinom führte.
Es existieren aber auch Studien, die zu einem gegenteiligen Ergebnis gelangen (dazu „Medizinreport“ in diesem Heft). Diese lassen die Regierung jedoch offensichtlich nicht zweifeln: „Solche Arbeiten können nicht die Basis einer evidenzbasierten Brustkrebsversorgung sein“, erklärte der Gesundheitsökonom Prof. Dr. med Dr. sc. Karl W. Lauterbach. Auch Kühn-Mengel sieht bei diesen Studien „methodische Mängel“.
Die Bundesegierung will das Mammographie-Screening – und zwar jetzt. Auf die Ergebnisse der Modellprojekte des Bundes­aus­schusses der Ärzte und Krankenkassen will sie nicht warten: „Anstatt zu erproben, was schon erwiesen ist, soll unverzüglich das umgesetzt werden, was ärztlich, politisch und wirtschaftlich geboten ist“, sagte Monika Knoche (Bündnis 90/Die Grünen) bei der Bundestagsdebatte. Sollten also die Modelle zu dem Ergebnis kommen, dass das flächendeckende Screening nur geringen Nutzen und zusätzliche Belastungen für die Frauen mit sich bringt (falschpositive Befunde, operative Eingriffe), komme diese Erkenntnis vermutlich zu spät.
Dr. med. Eva A. Richter
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